Betreuung für Kinder mit sogenanntem „sozial auffälligen Verhalten“

Ich bin seit 25 Jahren auf dieser Welt, seit fast 6 Jahren bin ich Mutter. Ich habe mein Abitur hochschwanger abgeschlossen und eigentlich, zumindest sollte man das meinen, habe ich mittlerweile eine Ausbildung oder gar ein Studium absolviert und verdiene fleißig Geld. Falsch gedacht.

Ich habe aktuell zwei Ausbildungsversuche hinter mir. Beide musste ich abbrechen. Beide Male wegen mangelnder Kinderbetreuung. Doch warum mangelt es an dieser? Mein Sohn hat die Diagnose ADHS. Mit diesem Syndrom muss er und leider auch ich Ausgrenzung und Stigmatisierung erfahren.

Im August 2012 habe ich meine Ausbildung zur Erziehern begonnen. Mein Sohn ging in eine Regel-KITA. Montags und donnerstags holte ihn die Mutter meines Freundes ab. Nach 5 Monaten ging dies aus Privaten gründen nicht mehr. Ich habe also spontan Tageseltern gesucht und diese auch gefunden. Einen Monat später kündigten diese mir fristlos, da mein Sohn einen Ausraster hatte. Ich fand keine neuen Tageseltern und im gleichen Atemzug verlor ich den Ganztagsplatz in der KITA. Seit Februar 2013 bin ich nun nicht mehr in der Ausbildung. Die Erziehung mei-nes Sohnes ist mir sehr wichtig. Aber die mangelnden Betreuungsangebote ermöglichen es mir als Mutter nicht, eine Ausbildung durchzuziehen. Zu kurz sind die Öffnungszeiten der KITA und Tageseltern sind schwer zu bekommen. Was macht man also, wenn die Kinderversorgung nicht familiär geleistet werden kann und staatliche Angebote versagen, da sie nicht bedürfnisorientiert sind?

Aktuell versuche ich die Betreuungssituation zu verbessern. Doch man spürt immer mehr die Einsparungen in unserem Land. Ich musste hart kämpfen, um einen integrativen KITA-Platz für meinen Sohn zu bekommen. Weitere Hilfen stehen mir nicht zu. Mein Sohn ist ein ADHS Kind und es besteht der Verdacht auf Autismus bei ihm. Die Ärzte wollen sich da aber noch nicht festlegen. Da er nicht fest auf Autismus diagnostiziert wurde, bekomme ich, wenn mein Sohn eingeschult wird, wohl keinen Integrationshelfer (kostet ja alles Geld!). Eine Förderschule scheint auch nicht möglich, da er kognitiv sehr fit ist. Hortplatz? Schwer zu bekommen, da er sich nicht angepasst genug verhält. Tageseltern? Welche Tagesmutter nimmt bitte ein verhaltensauffälliges Kind?! Und schon ist man in einer Gesellschaft ausgegrenzt. Nur weil man nicht reinpasst: weil man schon als Kind auffällig ist. Das macht mich sehr traurig.

Wieso bitte wird für Kinder mit sozial auffälligem Verhalten oder sogenannten seelischen Störungen so wenig gemacht? Warum müssen diese Kinder immer erst in einer normalen KITA oder Schule leiden bevor man ihnen hilft? Warum kann man Schulen und KITAS nicht von Anfang an inklusiv gestalten, damit jedes Kind die gleichen Chancen bekommt? Meine Forderung ist daher, eine Verbesserung der Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, welche von Ausgrenzung bedroht sind, ob durch soziales Auffallen, ob sie seelische Störungen haben, eine Behinderung haben oder aus einem anderen Land kommen. Alle sollen die gleichen Chancen haben. Aus eigener Erfahrung und Erleben liegen mir die Kinder mit seelischen Beeinträchtigungen besonders am Herzen.

Es kann ja auch nicht wahr sein, dass man als Mutter eines „ADHS-Kindes“ zu hören bekommt: „Sie werden sich wohl bald überlegen müssen, ob ihr Kind Ritalin bekommen soll.“ Ist das die tolle Chancengleichheit von der unsere regierenden Politiker, allen voran Frau Merkel, reden? Chancengleichheit durch Medikamente, durch Anpassung an eine unmenschliche Leistungsgesellschaft? Die Würde eines Kindes mit seinen Bedürfnissen und Chancen vernachlässigen und es medikamentös ruhig stellen?

Wir brauchen mehr Menschlichkeit, Chancengleichheit durch Inklusion. Durch besser ausgestattete Schulen, durch Betreuungsangebote, die auf Kinder und erwerbstätige Eltern angepasst sind und auf Be-treuerInnen, die für die Kinder da sind, die Unterstüt-zung brauchen. Diese Inklusion brauchen wir und nicht die inhaltlose Wiederholung unserer Kanzlerin, dass die Chancengleichheit in Deutschland so toll sei. Sie ist es nicht!

Anmerkung: Diesen doch sehr emotionalen Artikel gab es in der Wahlkreisinfo Januar 2014 von der Bundestagsabgeordneten Katrin Werner zu lesen. Verfasst ist er von mir. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön, dass ihr mich schon da zu Wort habt kommen lassen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s