An all die Schaulustigen…..

An all die Schaulustigen

Vor einigen Tagen war ich mit meinem Sohn in der Stadt. Ja er sieht ganz normal aus nicht wahr?
Wenn da nicht sein Verhalten an diesem Tag wieder zum Vorschein gekommen wäre.

Ja er schrie wie am Spieß, er schlug um sich trat nach mir und versuchte sich los zu zerren und das in seinem Alter. Oh ja ich sah euren Blicken an was ihr dachtet. Das arme Kind. Wie unfähig ist die denn?!

Und dann habe ich nicht so idealtypisch reagiert. Ich habe meinen Sohn über die Schulter gehoben ja. Warum? Weil er mir so nicht abhauen kann, weil ich so keine Tritte ins Schienbein bekomme und keine Schläge in den Bauch, weil ich so mit ihm aus dem Gedränge der Stadt raus komme, damit er wieder zu sich finden kann.

Wir sind dann an eine nahe gelegene Bushaltestelle und er schrie und zeterte weiter und ich versuchte ihn einfach nur fest zu halten. Okay das hat nicht so ganz geklappt. Aber haltet ihr mal einen Jungen in euren Armen mit massivsten Kräften in einem Wutausbruch und ja er fiel auch einmal um durch sein Gezerre.

Unangenehm waren mir eure Blicke ja. Wie würdet ihr es finden, wenn euer Kind so ausrastet und Passanten noch extra um die Ecke kommen, um zu sehen was da los ist? Würdet ihr euch freuen über all die Schaulustigen? Nein, es wäre auch euch unangenehm.

Als sich mein Sohn soweit wieder beruhigt hatte, habe ich ihn in den Arm genommen, das habt ihr noch weniger verstanden. Wie kann sie nur schrien eure Blicke auf.

Ich kann, weil mein Sohn diese Attacken öfters hat. Für mich gehören sie zum Alltag. Ich kann, weil ich weiß, dass er es nicht kontrollieren kann, wenn er auf Grund seines Autismus völlig reizüberflutet ist. Ich kann, weil ich mein Kind sonst doppelt bestrafen würde. Wisst ihr, dass er sich selber dafür hasst, dass er es schwer genug hat? Dass er keine wirklichen Chancen hat feste Freundschaften zu bilden, obwohl er sich nichts sehnlicher wünscht?

Ich liebe meinen Sohn, so wie er ist. Ich Liebe sein Lachen, seine Fantasie, seine Ideen, seinen Fanatismus auf Tiere, seinen Sinn für Gerechtigkeit und ja ich Liebe auch seine Zorn Attacken, denn sie gehören zu ihm. Genauso wie alle anderen Merkmale des Autismus. Ich würde ihn für nichts austauschen wollen, aber ich wäre euch einfach nur dankbar, wenn ihr in Zukunft einfach mal Abstand nehmt und nicht noch extra gaffen kommt oder einen eurer Sprüche reißt wie „So kann man doch nicht mit einem Kind umgehen“ vielen Dank auch. Das sind Dinge, die weder ich noch andere Mütter gebrauchen können. Egal, ob die Kinder eine Beeinträchtigung haben oder nicht.

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Ein Gedanke zu “An all die Schaulustigen…..

  1. „Dein Kind hat ja überhaupt keinen Respekt vor dir!“ „Also, ich würde mir das von meinem Kind nicht gefallen lassen.“ „Ich wüsste schon, wie das unterbinden könnte…“ „Wenn du so weitermachst, wird dir dein Kind nur noch auf der Nase herumtanzen.“ „Ich würde mich ja niemals von meinem Kind so anschreien lassen. Das könnte ich ja gar nicht aushalten.“ „Sie müssen dem Kind mehr Grenzen setzen – das ist ganz wichtig.“ „Das Kind muss ja auch mal lernen, sich anzupassen. Anders gehts ja gar nicht.“ „Es können sich doch nicht 4 Erwachsene und 3 Kinder nur nach dem Willen eines einzigen Kindes richten. Das kanns doch nicht sein.“ Ich bin so müde… ich mag nichts mehr erklären, nichts mehr rechtfertigen. Irgendwann habe ich mir angewöhnt zu sagen:“Ja, das mag ja bei normalen Kindern gelten, aber nicht bei meinen Kindern.“ Ganz offensichtlich hat weder das Jugendamt noch das Familiengericht den Ansatz einer Ahnung, was es im täglichen Leben bedeutet, ein Asperger-Kind großzuziehen. Mir hat man nämlich geraten, ich möge das Kind doch freiwillig in eine Pflegefamilie geben, weil ich ja offensichtlich mit der Erziehung überfordert bin. Und dann hatte ich die Stirn noch zu sagen:“Wer ist denn bitte NICHT damit überfordert?!?“ Der KV, die Großeltern, die Schule, meine Freunde, mehrere Kindergärten, die Sportvereine, Ergotherapeuten, Nachhilfelehrer, sogar meine Erziehungslotsin hat gesagt, dass die Kinder ihrer Meinung nach eine besondere Betreuung brauchen. Sie hat schon verhaltensauffällige Kinder nach Trennungen zuhauf betreut und das hier ist was ganz anderes. Nach 5 Jahren Diagnostik ist nun immer noch kein Abschluss gefunden, bis auf die Tatsache, dass die Autismus-Ambulanz sich eigentlich fast sicher ist, dass es sich um Asperger handelt, aber dafür brauchen wir noch mindestens zwei Testtage. Und die Verfahrenspflegerin behaupet, ich würde Ärztehopping betreiben, weil ich mein Kind so lange testen lasse, bis mir eine Diagnose passt. 😦

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