Der (platzende) Kinderwunsch

Eigentlich war für meinen Freund und mich alles klar. Ich wollte den Bachlor fertig machen, dann ein zweites Kind während des Masters bekommen, damit ich nach dem Master direkt arbeiten kann und das zweite Kind in der Krippe betreut wird.

Heute klingt das bei mir ziemlich anders. Mein Freund wünscht sich schon ein Kind, aber ich scheue mich davor. Nicht wegen der Schmerzen oder dem Gedanken: Pack ich das? Sicherlich würde ich auch ein zweites Kind versorgt bekommen mit meinem Freund. Nein, das ist es nicht. Es ist auch nicht, dass mein Wunsch nach einem zweiten Kind verschwindet. Es ist eher die Situation drum herum.

Als vor 7 Jahren mein Sohn zur Welt kam war das alles ein wenig anstrengend. Ich lag 3 Tage im Krankenhaus in den Wehen. Dann kam bei einer Untersuchung heraus Schwangerschaftsvergiftung als das Krankenhaus es manuell überprüfte war es doch keine. Sicherheitshalber wollten sie dennoch Einleiten. Ja, super. Aber anstatt den Wehentropf zu bekommen ließ man mich im CTG-Raum sitzen, da gerade von 4 Kreißsälen nur einer frei war. Man begründete es damit, dass noch eine Kreißsaalführung gemacht wird. Toll du hast Wehen bist dir nicht sicher, welches der Blutergebnisse richtig ist und darfst aber nicht mal in einen Kreißsaal, da die Besichtigung wichtiger ist. Im Verlauf der Geburt pendelte die Hebamme dann auch hin und her. Immerhin kam mein Kind ja mitten in der Nacht auf die Welt, sowie 3 andere Kinder auch. Der Arzt kam nur zum Nähen, da ich gerissen war. Sohnemann war nach der Geburt lila blau und man versuchte mir auch das Bild von ihm vorzuenthalten. Erst durch eine andere frisch gewordene Mutter erfuhr ich von den Bildern und fragte nach. Da sagte man mir nur, dass ich das Bild bestimmt nicht haben wolle. Ich habe das Bild heute, weil ich darauf bestand es zu bekommen.

Nach diesen Erfahrungen hatte ich mir geschworen bei der nächsten Geburt nicht in einem Krankenhaus zu entbinden, außer meine Hebamme sagt es wäre nötig und wäre mit dabei. Aber dieser Wunsch ist geplatzt. Warum? Ich glaub ihr kennt unsere Hebammensituation in Deutschland. Hinzu kommt, dass bei uns nun eine Geburtsstation dicht macht und auf die verbleibenden Krankenhäuser nun weitere ca. 600 Geburten umgeleitet werden müssen ohne dass sie mehr Platz und mehr Personal bekommen. Das geht nicht gut, sondern wird in einer Massenabfertigung enden und ich vermute bzw. habe Angst vor mehr Kaiserschnitten. Nicht weil sie gut wären in der Situation, sondern weil sie zeitsparend sind. Ich mein eine Mama mit 3 Tagen Wehen da behalten. Die Zeit bleibt doch nicht mehr. Wie dramatisch die Situation bei mir im Wohngebiet ist könnt ihr übrigens hier in verschiedenen Artikeln vom Wochenspiegel nachlesen:

1. Hebammen in Not: Abschuss für den Klapperstorch? (8.Juli.2015)
2.Gibt es bald keine Hebammen mehr? Linke schlagen Alarm (7.Mai.2015)
3. Versicherungsbeiträge unbezahlbar: Hebammen am Limit (29.Juli 2014)

Ich werde mich nochmal mit meinem Frauenarzt kurz schließen.  Ihm vertraue ich, aber wirklich Hoffnung, nicht in einem Krankenhaus entbinden zu müssen, habe ich nicht. Auch werde ich mich mit der Hebammenpraxis in Verbindung setzen. Vielleicht nimmt mir das Sorgen. Mal sehen. oder die Sorgen verstärken sich.

Kennt ihr so Sorgen und Gedanken? Wie geht ihr mit der aktuellen Hebammensituation um?

Alles Liebe

Jenny

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10 Gedanken zu “Der (platzende) Kinderwunsch

  1. Ich verstehe deine Ängste. Ich höre momentan kaum schöne Geburtsgeschichten. Und noch ist auch nicht geklärt, ob und wie die Hebammenversicherung nach dem 1.7.2016 aussieht.
    Davon betroffen sind alle Frauen die ab jetzt schwanger werden.
    Ich werde noch vorher entbinden und suche gerade eine Beleghebamme. Vor 4 Jahren, als ich meine Tochter bekommen habe gab es noch 3 Beleghebammen und man konnte auch auf ein Geburtshaus ausweichen.
    Mittlerweile gibt es nur noch 2 Beleghebammen hier in der Stadt. Die Nachbarstädte haben garkeine mehr.
    Schon in meiner letzten Schwangerschaft haben alle beteilgten Ärzte versucht mich zu einem Kaiserschnitt zu überreden nur meine Hebamme sagte von Anfang an, das schaff ich auch so. Wenn ich diesmal meine Hebamme nicht buchen kann (ich warte auf ihren Anruf) dann habe ich Angst. Angst dass einfach über meinen Kopf entschieden wird. Dass mir diesmal nicht erlaubt wird 9 Tage über den Termin zu gehen und zu warten, bis mein Körper das Startsignal gibt.
    Trotzdem freue ich mich auf dieses Glück, was gerade in mir wächst.

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    1. Das ist es. Man freut sich ja schon auf das winzige, niedliche Wesen. Aber wann will halt nicht überrumpelt werden. Und was den Kaiserschnitt betrifft, bei uns ist die Kaiserschnittrate übertrieben hoch. Da bekommt man Panik. ich will bei einer Geburt nicht aufgeschnitten werden, weil das gerade schneller geht. Ich sage nichts gegen Notkaiserschnitte, aber ich würde nie einen haben wollen, wenn es nicht um Leben und Tod geht für Mutter und/oder Kind. Nur man wird heute ja so gerne unter Druck gesetzt. Auch wenn es um Therapien und Co. für das Kind geht. ( Entweder sie nehmen meinen Weg oder sie sind eine Gefahr für ihr Kind) Hätte echt Angst, dass man mir sagt. Sie müssen einen Kaiserschnitt machen, ihr Kind wird zu groß sein bei der Geburt, weil sie eine Schwangerschaftsdiabetes haben oder so. (Schwangerschaftsdiabetes hatte ich schon in der ersten Schwangerschaft). Man kann es als Nichtmedizinier einfach nicht prüfen, ob die Aussagen wahr sind….Daher hätte ich eigentlich gerne wen der mich von Beginn bis hin zur Geburt und darüber hinaus begleitet und mich dann einfach kennt und den Schwangerschaftsverlauf.

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  2. Ich finde das auch schrecklich. Schon jetzt ist es so schwierig, aber wie soll das nur werden? Ich hatte mir für das irgendwann auch geplante zweite Kind mittlerweile auch eine Geburtshaus-Geburt gewünscht (obwohl ich eine wirklich schöne Erfahrung bei uns in der Klinik bei der Geburt meiner Tochter hatte) aber das wird wohl immer unrealistischer…
    LG Farina

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    1. Ja und genau dies ist das traurige, Farina. Ich mein wo bleibt unsere Selbstbestimmung? Das schlimmste was ich mir bisher anhören durfte war: „Wieso sie haben doch Selbstbestimmung im Krankenhaus, ob Kaiserschnitt oder spontan.“ Nein es geht auch, um den Geburtsort an dem man sich wohl fühlt. Und gerade Krankenhäuser sind für mich kein Wohlfühlort. Ich hätte so gerne entspannt in gewohnter Umgebung entbunden 😦 Geburtshaus gibt es hier sowieso nicht. zumindest finde ich nicht einmal via Internet eins im Umkreis. Und wenn es dann jetzt schon so ist, wie ist es dann in 2-3 Jahren wo ich noch ein Kind bekommen wollte?

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  3. Hallo,
    Ich bin völlig bei dir! Nach meiner ersten Tochter habe ich mich dazu entschieden kein zweites Kind zu bekommen. Ich möchte nicht nochmal diesem Wirrwarr ausgeliefert sein, welches im Krankenhaus vorherrscht! Ich hatte in den Augen vieler eine schnelle unauffällige Geburt ohne Komplikationen und Medis. Doch im Detail betrachtet hat mich dieses Erlebnis extrem geprägt. Die Kommunikation der Helfenden unter Geburt war einfach unterirdisch und stressend für mich und meinen Partner der trotz guter Vorbereitung und langjähriger Erfahrung im medizinischen Bereich irgendwann vollig verwirrt wurde. Ich habe einfach eine riesen Angst abgefertigt zu werden und vertraue dem Personal nicht. Die einzige Alternative die ich für mich sehe ist die Hausgeburt. Hier fühle icc mich wohl und meine Familie sich auch. Was leider zu selten Begriffen wird das es hierbei um einen Eingriff in die weibliche sexualität geht. Diese gilt es zu schützen und somit jedem das Recht zu gewähren frei zu wählen wo und mit wem man diesen hochintimen Moment teilen möchte. És Schauen ja auch bei der Zeugung keine Ärzte zu. Doch da es keine Regelung gibt für unsere Hebammen ist für mich sprichwörtlich gesagt der Ofen aus!
    Lg
    Sonja

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    1. Und genau das deprimiert mich. Es geht nur noch um die Wirtschaftlichkeit. Geburten und Gesundheit sind kein Wirtschaftsfaktor. Okay, man kann sie so verwenden die Geburten, aber es sollte doch eher das Ziel sein, dass es mehr Geburten gibt und somit mehr Einzahler in die Kassen. Allerdings sehen das die Kassen und auch unsere Politik wohl nicht so. Denen ist es auch egal, wenn sich Menschen gegen weitere Kinder entscheiden, weil nicht mal mehr die Geburtsart frei wählbar ist. Zumindest wirkt das konsequente nicht handeln so. Ein Trost für mich ist es aber zu merken, dass ich nicht allein bin mit diesen Gefühlen und Gedanken. Danke, Sonja.

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    2. Bei uns war ein Arzt an der Zeugung beteiligt 😉

      Kinder kamen trotzdem im Geburtshaus bzw. zu Hause.

      Ich finde es wahnsinnig, dass in manchen Teilen Deutschlands schlicht keine Hebammen mehr außerklinische Geburten begleiten. Und nun scheint es ja so zu sein, dass es tatsächlich ganz strenge Regelungen für eine Hausgeburt gibt (höchstens 3 Tage über ET, danach muss der Frauenarzt die Zustimmung geben). Das ist einfach eine Frechheit, unsere Kinder kamen an 41+5 und 41+1 völlig reif und kerngesund zur Welt. Was ist mit den Frauen, die einfach länger schwanger sind? Das ist doch ein lächerliches Kriterium. Und wie viele Frauenärzte wird es schon geben, die dann ihre Zustimmung geben? Hier bei uns ist es allein schon ein Akt, einen Frauenarzt zu finden, der außerklinische Geburten nicht grundsätzlich ablehnt.

      Unsere Hebamme hat uns übrigens geraten, dass man sich bei der Krankenversicherung beschweren soll. Da gibt es wohl vom Hebammenverband auch vorgefertigte Schreiben (man kann natürlich auch selbst was aufsetzen).

      Wäre denn ein Geburthaus eine Alternative? Da scheint es in Saarburg eins zu geben, laut Google Maps ist das nicht allzu weit entfernt.

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      1. Guten Morgen, ihr Lieben 🙂

        Bei mir wäre der ET weniger der Angstfaktor, außer mein zweites Kind würde mir den Genuss einer langen Schwangerschaft gönnen. Sohnemann kam 36+0. Allerdings wer kann sich das erlauben noch spekulativ zu arbeiten? Die Versicherungsbeiträge von freien Hebammen sind einfach völlig überhöht. Da werden wohl noch mehr Hebammen abspringen. Es ist eine Katastrophe was ein reiches Land wie Deutschland mit seinen Hebammen macht.

        Ja in Saarburg gibt es ein Geburtshaus und das wäre auch meine favorisierte Wahl eine Geburt im Geburtshaus. Allerdings scheut mich die Stunde fahrt nach Saarburg und die Tatsache, dass das schwer zu managen ist mit Zugfahrt und einem schulpflichtigen, schwerbehinderten Kind. Ich weiß nicht, ob eine so lange Fahrt mit den Faktoren drum herum und parallel dazu der Masterstudiengang, wenn alles klappt nicht zu stressig wäre. Also das ist echtes abwägen. Und noch näher gibt es halt kein Geburtshaus.

        Ist halt echt schwierig. Eigentlich traurig, dass man sich als Frau solche Gedanken machen muss…

        Liebe Grüße

        Jenny

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  4. Es ist schrecklich! Ich verfolge die Thematik schon sehr lange. Leider wird das alles viel zu wenig publik gemacht. Heute werden Hausgeburten unmöglich, morgen noch mehr Geburtshäuser geschlossen und übermorgen ganze Stationen in Krankenhäusern?
    Na schönen Dank, GKV!
    Ich habe Angst, ja. Aber nicht genug, um den KiWu beiseite zu legen. Ich möchte eigentlich nicht in ein KH, sondern ein Geburtshaus, wenn soweit alles gut ist, was aber wie gesagt immer weiter unmöglich wird. Es ist eine Schande! Ein Armutszeugnis!
    Wenn es sein muss, gehe ich in ein KH. Mit meinem Mann an der Seite und all dem Selbstbewusstsein, das ich habe. Ich ziehe das dann durch und sowohl im Vorfeld als auch hinterher wird es von mir Beschwerden geben.
    Schon jetzt gibt es regelmäßig Mails meinerseits an KK und GKV.

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