Die ersten Probleme in der Schule

Heute wird es von meiner Seite aus emotional und definitiv nicht objektiv. Also verzeiht, wenn es unstrukturiert ist, aber ich muss es jetzt einfach loswerden.

Es ist nun über 2 Jahre her, dass Sohnemann in seiner Kita gemobbt wurde. Er wurde gehänselt und provoziert. Es war ja so schön einfach für die Kinder, denn sie wussten er kann seine Wut nicht kontrollieren und schlägt dann um sich. Sie wussten, dass er dann Ärger bekommt und sie nicht, denn sie hatten ja nichts getan. Die Erzieher hatten immer wieder weg geschaut. Ja, es war nicht richtig, dass mein Sohn drauf schlug, das weiß er, das weiß ich. Aber er konnte nicht anders. Für ihn ist das so ein anstrengender Prozess gegen sich selbst zu kämpfen. Er will nicht, aber wenn er sich drangsaliert fühlt, dann bricht es aus und dann ist er weder Ansprechbar noch kontrollierbar. Das ist die Schattenseite seiner seelischen Beeinträchtigung. Im Anschluss daran, also nach so einem Ausbruch, hat er sich immer selbst beschimpft („Ich bin blöd“) und sich selbst geschlagen und gebissen. Es sind Zeiten an die ich nicht gerne denke und heulen könnte. Es sind Momente, die mir als Mama so wehtun. Sein eigenes Kind so leiden zu sehen. Stellt euch vor ihr seht euer Kind so Leiden. Ein Kind was ein ganz sensibles Seelchen hat und sich aber nicht mehr anders zu helfen weiß, als mit selbstverletzenden Verhalten. Und ihr könnt nur da sein, Trösten und versuchen das Kind davon ab zu bringen. Jedes Mal hat mein Herz geblutet. Jedes Mal hab ich geweint, wenn es vorbei war und er es nicht sehen konnte.

Er wechselte dann die Kita und endlich fing er an sich nicht mehr selbst zu verletzen und wir übten so viel mit ihm, dass er nicht mehr so oft ausbricht, aber dafür ist auch eine Medikation notwendig. Es geht nicht anders. Und ich weiß, dass natürlich es wieder Leute gibt die sagen, wie kannst du nur. Ich kann, weil mein Kind dadurch nicht mehr so hochgradig aggressiv ist.

Nun ist Sohnemann an der Schule, 2 ½ Wochen ging es gut, dann bekam er den ersten Ausraster im Hort. Ein Kind hatte ihn geschubst und anscheinend war sein Nervenkostüm sehr schwach an diesem Tag. Er hatte sich aber gut runter holen lassen von den Erziehern und auch seine Konsequenz akzeptiert. Am Donnerstag nun wurde er ausgelacht und beleidigt in der Pause. Er hat wohl immer wieder versucht aus der Situation raus zu kommen(„Ich will das nicht. Hört auf.“), doch er hielt es irgendwann nicht mehr aus und schubst dann drauf los. Eine Lehrerin, die nichts über ihn weiß kam dazu und beschuldigte ihn dann noch, dass er doch nicht einfach drauf hauen darf und das ertrug er nicht und ging erst recht hoch. Ausgerechnet an diesem Tag war nun der neue Schulbegleiter nicht da. Es wurden Gespräche geführt und der Förderlehrer und die Klassenleitung konnten genug Infos bekommen, um auch mit den anderen beiden Kindern zu reden.

Am Freitag eskalierte es nun. Wieder Pause und wieder kamen die beiden Kinder von letzten Mal und hänselten ihn. Sohnemann versuchte weg zu kommen, doch sie ließen ihn nicht in Ruhe. Auf dem Schulhof müssen dann wohl ein paar Kinder an einem versteckten Winkel auf ihn drauf gegangen sein. Sie schlugen und traten ihn mit der Begründung er habe ein anderes Kind gehauen. Ja am Donnerstag hatte er dieses Kind geschubst. Aber ist das ein Grund mit mehreren auf ein einzelnes Kind zu gehen? Was ist bitte aus den Kindern geworden. Wir reden hier von Erstklässlern. Die Lehrer und der Schulbegleiter haben es nicht mitbekommen und Sohnemann hat sich auch nicht getraut es zu erzählen. Erst nachmittags erfuhr ich dann davon und hätte heulen können. Am Abend rief mich dann der Schulbegleiter an und er sagte: „Wenn ich das gewusst hätte, dann hätten wir sofort gehandelt.“ Er setzt sich jetzt am Montag mit Sohnemann und den Lehrern zusammen und sie werden ihr Bestes tun das zu unterbinden.

Ich bin gespannt wie das wird. Eigentlich geht Sohnemann ja gerne in die Schule. Er ist fleißig, hat Spaß am Unterricht. Leider ist gerade der Junge, der ihn nicht in Ruhe lässt aus seiner Kita und weiß was er für Knöpfe drücken muss, um Sohnemann zu Aggressionen zu bekommen. Das ist in ungefähr so grausam wie wenn man ein Kind, das auf Grund seiner Beeinträchtigung nicht laufen kann immer wieder deshalb beleidigt. Sohnemann hat nun mal eine nicht sichtbare Beeinträchtigung. Mir graut es nun vor dem 30.09. Da habe ich den ersten Elternabend und muss erläutern was an meinem Kind anders ist. Natürlich wissen die Eltern schon, dass er anders ist. Es spricht sich ja rum, dass er zu Aggressionen neigt. Ich hab ehrlich gesagt so langsam Angst hin zu gehen. Ich hab Angst es nicht auszuhalten. Weil die wenigsten zeigen Verständnis für so Beeinträchtigungen. Meistens hört man: „Ja, ist klar. Das Kind ist doch einfach nur nicht vernünftig erzogen.“ Gerade bei unsichtbaren Beeinträchtigungen relativiert unsere Gesellschaft. Die meisten tun so als würde man sowas nur erfinden. Ich hoffe einfach, dass es nicht so schlimm wird. Leider ist kein anderes Kind eingeschult worden von Eltern mit denen ich gut kann. Deren Kinder sind leider noch in der Kita. Das hätte diesen Gang einfacher gemacht.

Ich wünsche mir einfach, dass wir das in den Griff bekommen, weil ich hab Angst, dass mein Sohn wieder in den Zustand von Selbstverletzung kommt. Wenn das so weiter geht befürchte ich es fast und das wäre das schlimmste was ich mir aktuell vorstellen könnte, denn eigentlich wünsche ich mir für ihn das Gegenteil, das er Freunde findet und Spaß hat. Das der Gang zur Schule was Schönes für ihn ist und das er weiter an sich arbeiten kann, um besser mit seiner seelischen Beeinträchtigung klar zu kommen.

Nun bleibt mir nichts anderes über als Abwarten und Tee trinken und schauen wie es sich weiter entwickelt.

In Hoffnung, dass es schnell wieder besser wird vom Klima in der Schule.

Jenny

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2 Gedanken zu “Die ersten Probleme in der Schule

  1. Ich drücke dir die Daumen und wünsche dir Kraft und Mut. Jeder ist für seine Handlungen verantwortlich, auch die Provokateure!
    Mein Sohn hatte einmal im Kiga ein kneifendes Kind. Ich habe zu Hause mit ihm darüber gesprochen, dass es gar nicht weiß, wie weh das tut. Wenn es kneift, freut es sich, weil es damit etwas bewirken kann. Es sucht einen Freund, weiß aber nicht wie das gelingen kann, und dass es mit Kneifen nicht geht. Mein Sohn hat dann zu ihm gesagt, dass er so nicht sein Freund sein kann, wenn er ihn immer kneift und weh tut. Ich glaube, er hat auch mal die Gegenprobe gemacht. Nach einer Weile berichtete er mir stolz, dass er nun der einzige wäre, der nicht gekniffen würde und stattdessen mit dem Kneifer gut spielen könnte. Mit Ruhe und Geduld Verständnis gefunden und einen Freund.

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  2. Liebe Jenny,

    ich kann Deine Emotionen und Ängste sehr gut nachvollziehen.
    Fühl Dich mal ganz doll gedrückt<3

    Mein Sohn hat damals ähnliche Erfahrungen aus dem Kindergarten mit in die Schule gebracht. Selbst den Jungen, der immer wieder gekonnt provoziert hat, hatten wir auch.

    Ich hoffe für Euch, dass die Lehrer und der Schulbegleiter es schaffen werden, solche Situationen wie auf dem Schulhof, in Zukunft gänzlich zu vermeiden. Das ist unglaublich traurig, dass es überhaupt passieren konnte.

    Von ganzem Herzen wünsche ich Euch ganz viele andere Eltern, die Euch oder Dich nicht vorverurteilen, sondern so nehmen, wie Ihr seid.
    Die (bei uns waren es gottseidank nur wenige), die Dir 'mangelnde' Erziehung vorwerfen, sind auch die, die ihre Kinder von Deinem fernhalten wollen. Das kann man als Mutter nur ertragen, wenn man sie ausblendet und Aufbauarbeit beim Kind leistet, das nicht verstehen kann, warum es ausgeschlossen wird.

    Hab keine Angst, mit Deiner offensiven Art, damit umzugehen, werdet ihr das schaffen. Ich wünsche Deinem Sohn eine unbeschwerte schöne Schulzeit und liebe Freunde.

    Ganz liebe Grüße
    Sam

    (Ach ja, in Sachen "Schreiben nach Gehör" bin ich voll und ganz Deiner Meinung. Das Thema und unsere Erfahrungen damit, habe ich auch schon verbloggt.)

    Gefällt 1 Person

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