Fortbildung „Homosexualität und Vielfalt in der Kinder- und Jugendarbeit“

Gestern war ich auf einer Fortbildung zu „Homosexualität und Vielfalt in der Kinder- und Jugendarbeit“. Begleitet hat mich eine gute Freundin. Begrüßt wurden wir erst einmal freundlich mit Kaffee und Keksen und konnten erst einmal ankommen und den Tagesplan begutachten:

Einführung
Begrifflichkeiten
Heteronormativität
Coming-Out
Regenbogenfamilie
Handlungsmöglichkeiten
Feedback

In einem Stuhlkreis stellten wir uns dann vor. Schön fand ich das es Menschen aus allen Bereichen waren und nicht nur aus Trier, sondern auch aus dem Umland kamen. Viel schöner fand ich, dass es auch Personen darunter gab, die eigene Erfahrungen mit der Thematik gemacht haben und machen. Sei es, weil sie es persönlich betrifft oder weil es in ihrer Einrichtung schon Coming Outs gab oder im Freundeskreis.

Ein kleiner Ausschnitt aus dem Queer-ABC.
Ein kleiner Ausschnitt aus dem Queer-ABC.

Gestartet haben wir nach der Vorstellung mit dem Queer-ABC. Hier wurden uns die wichtigsten Begrifflichkeiten noch einmal vorgestellt. Was ist Homophobie? Was ist Transphobie? Wo ist der Unterschied zwischen Trans* und Transvestit? Was bedeutet Intersexuell? Und noch vieles mehr.

Weiter ging es mit der Differenz von Geschlecht und sexueller Identität. Hier möchte ich aber in meinem Bericht nur auf den Punkt eingehen, der mir das erste Mal deutlich wurde, dass er überhaupt so viel Bedeutung hat in der Thematik. Ich hätte nie gedacht, also zumindest nicht bewusst, dass die Geschlechterrolle so relevant ist. Aber ist sie und vor allem bei Jungs besonders. Wenn ein Mädchen mit Autos und Bausteinen spielt und wild herumrennt wird das oft einfach abgetan, wenn aber ein Junge plötzlich mit Puppen spielt oder in Kleidern herum rennt, haben viele Menschen damit ein Problem. Hier setzen ja schon die ersten Probleme ein. Ein Junge kann sich heute noch immer nicht so ausleben wie er mag. In manchen Kindergärten geht das noch, aber sobald es in die Schule geht entsteht eine Scham und Angst es auszuleben. Ein Junge würde in den seltensten Fällen sagen: „Ich mag My little Pony und Wendy!“ und wenn er es doch sagt wird er meistens ausgelacht und verspottet.

Der Kita-Koffer. Eine super Sache von Queernet RLP und gerade entwickeln sie auch einen für die Grundschule!
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Weiter ging es mit einer Methode: „Alex … zum ersten Mal verliebt“ Jeder von uns bekam einen Zettel einen Stift und eine Sexualität, die er den anderen nicht verraten durfte. Wir mussten uns in die Zeit zurückversetzen, wo wir 16 waren und dann die Fragen mit Ja oder Nein beantworten. Dafür mussten wir immer wenn wir sicher Ja sagen konnten einen Strich auf das Blatt machen. Ich hab mich richtig beklemmt gefühlt als ich feststellte, dass ich gerade mal 2 Fragen mit Ja beantworten konnte und das obwohl ich vor 11 Jahren 16 war. Es ist erschreckend, wenn man auf einmal das Gefühl hat nicht über seine Sexualität reden zu können. Ja mit dem engsten Freundeskreis hätte ich reden können, wenn ich homosexuell wäre, aber weder mit der Familie noch öffentlich zeigen wäre gegangen. Erst hier wurde mir bewusst wie schwer es sein muss für ein Kind oder einen Jugendlichen zu seiner Sexualität zu stehen in einer Welt die so Heteronormativ ist.

Wir lernten dann wie schwierig es ist mit dem Coming-Out. Erst mal das innere Coming-Out, welches im Schnitt 2,5 Jahre dauert. Also das bewusstwerden, dass man „Anders“ ist. Die Unsicherheiten, die in einem Leben, die Angst vor Stigmata und einen Druck zu erleben der immer stärker wird. Wenn aber der innere Prozess für einen jetzt schon lange dauert, dann ist das immer noch nichts im Vergleich zum äußeren Coming-Out, welches in der Tat ein lebenslanger Prozess ist. Und noch heute ist ein Coming-Out häufig mit Vorurteilen und Stigmata belastet. Wer hat es nicht schon gehört: „Wie der ist schwul? Hast du keine Angst, dass er dein Kind anpackt?“ Ja sowas durfte ich mir auch schon anhören und ich frage mich noch immer wie man zu so Gedankengängen kommt. Leider sind so Stigmata und Vorurteile keine Seltenheit, umso besser, dass wir Handwerkszeug durch die Fortbildung mitbekommen haben, um gegen zu wirken.

Wir haben dann eine Gruppenarbeit zum Thema Coming-Out bei der Arbeit gemacht, wo wir die Fragen bearbeiteten:

1) Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Arbeit mit dem Thema Coming-Out gemacht?
2) Welche Möglichkeiten sehen Sie, Coming-Out-Prozesse zu unterstützen?

Hier stellten wir fest, dass wir eher weniger Erfahrungen damit gemacht haben. Eine Teilnehmerin in meiner Gruppe hatte zum Beispiel öfters innere Coming-Outs begleitet. Eine andere hat durch anonyme Frage-Zettel mitbekommen, dass es Thema ist bei manchen Jugendlichen. Eine dritte hatte den Fall, dass zwei geistig behinderte Jungen sich verliebt hatten und der eine Vater den anderen Jungen verklagen wollte, weil er es als Pervers empfand und seinen Sohn in eine andere Pflegeeinrichtung unterbrachte. Diese Erzählung fand ich persönlich sehr tragisch.

In der Unterstützung waren wir uns einig, dass wir helfen können durch Ermutigung, durch Akzeptanz, durch das bieten eines Schutzraumes, durch Informationen, durch das nennen von Stellen an die man sich wenden kann. Neu lernten wir, dass und klar gemacht wurde: Übernehmt nicht das Coming-Out und erklärt auch den Kindern und Jugendlichen, dass die Eltern ein Recht haben erst mal zu verdauen, dass sie zwar Akzeptanz irgendwann einfordern können, aber nicht sofort, denn die wenigsten Eltern reagieren mit: „ Ja, ist in Ordnung.“ oder „Das hab ich schon immer geahnt.“

Wir sind dann weiter zum Thema Regenbogenfamilie, hier wusste ich schon einiges, da ich den wunderbaren Blog von Roboneko verfolge, aber auch hier gab es neuen Input für mich, da ich lernte, dass es mehrere Optionen gibt, um eine Regenbogenfamilie zu gründen. Auch lernte ich die rechtlichen Rahmenbedingungen kennen und bin entsetzt, dass im Endeffekt eine einzige gesetzliche Änderung reichen würde, damit Regenbogenfamilien die gleichen Rechte hätten wie „gewöhnliche“ Ehen. Ich finde es entsetzlich, dass zum Beispiel ein heterosexuelles Paar die Insemination bezahlt bekommt von der Krankenkasse ein homosexuelles Paar sie aber selber finanzieren muss. Wo ist hier die Gerechtigkeit? Vor allem auch die Sache mit der Stiefkindadoption finde ich entsetzlich. Da entscheidet sich ein Paar ein Kind zu bekommen, durchlebt die ganze Schwangerschaft mit und muss dann über ein Jahr dafür kämpfen, dass beide Partner als Elternteil eingetragen sind? Für mich unfassbar und einfach nur ungerecht.

Wir haben dann noch einige Methoden kennen gelernt und eine sehr gute Informationsmappe mit verschiedenen Handlungsmöglichkeiten mitbekommen. Die Tage wird es jetzt auch noch eine E-Mail geben mit mehr Input. Evtl. gibt es nun auch bald die Möglichkeit das gelernte in die Praxis umzusetzen. Ich werde es auf jeden Fall für meine künftige Arbeit mitnehmen. Es ist zwar noch vieles was ich selber nochmal nachlesen muss und möchte, aber dank toller Referentinnen, habe ich eine schöne Literaturliste zur Thematik nun und auch ein paar Filmempfehlungen.

Was ich mitnehme aus der Fortbildung ist, dass ich weiterhin Probleme haben werden mit dieser Einteilung in Geschlechterrollen und dafür kämpfen werde, dass in meiner Gegenwart kein Kind als Schwul beschimpft wird, weil es als Junge rosa mag und Ponys und Feen. Ich werde auch bewusst eingreifen, wenn Worte wie Schwuchtel und Co. verwendet werden, um halt aufzuzeigen, dass es diskriminierend ist. Leider sind aber gerade solche Worte heute modern als Beleidigung. Die Kinder und Jugendlichen, aber auch Erwachsene, nutzen sie, ohne zu hinterfragen was sie damit eigentlich anrichten. Auch werde ich Kinder und Jugendliche in ihren Vorlieben ermutigen und unterstützen. Auch meinen eigenen Sohn werde ich Mut machen zu seinen Vorlieben zu stehen (wobei er hier eh jeden Wunsch äußern darf). Aber ich werde nicht übergriffig werden. Denn ich erzähle nur soweit wie er es erlaubt und er muss es auch nicht jedem erzählen, sondern nur denen wo er sich sicher ist ihnen vertrauen zu können. Das wichtigste ist nämlich immer Rücksicht auf den Wunsch der jeweiligen Person zu nehmen.

Wenn ihr mehr erfahren wollt zur Thematik, dann schaut doch mal hier vorbei oder googelt ein wenig, denn sicherlich gibt es auch bei euch in der Stadt oder im Umkreis Anlaufstellen, wo ihr euch mehr Informationen zur Thematik holen könnt.

Alles Liebe

Jenny

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Ein Gedanke zu “Fortbildung „Homosexualität und Vielfalt in der Kinder- und Jugendarbeit“

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