Du hast dich dafür entschieden, dann Jammer nicht!

Es gibt Tage, die einfach nicht wie andere sind. Es gibt Tage, wo das Leben mit einem behinderten Kind ein wenig anstrengend ist. Nicht, dass man es nicht managen kann, aber ja dann tut es eigentlich auch mal gut sagen zu können: Heute war es stressig. Aber anscheinend darf man dies als Mutter auch nicht mehr, sobald man einen anderen Lebensweg versucht.

Noch immer scheint der Hauptgedanke zu sein, dass man als Elternteil eines behinderten Kindes doch bitte daheim zu bleiben hat und maximal auf 450 Euro Basis arbeitet. Es scheint der Gedanke vor zu herrschen, dass man als eigenständige Person nicht mehr existiert, wenn man ein Kind mit Behinderung hat. Wenn du anders handelst, dann hast du gefälligst den Mund zu halten und nicht zu Jammern. Du bist es ja selbst schuld und überhaupt. Du bist eine Rabenmutter. Du denkst ja nicht genug an dein Kind, sondern bist egoistisch. Du versuchst ja nicht das Best mögliche für dein Kind.

Ja ich habe mich entschieden trotz behinderten Kind zu studieren. Ja, ich liebe mein Studium, denn es ist mein Lebensausgleich. Der Ausgleich den ich brauche, um gut für mein Kind da sein zu können. Ja, ich nehme mir das Recht heraus auch mal zu sagen heute war es anstrengend. Vor allem wenn ich 11 Wochen Ferien hatte und dann quasi von 0 auf 180 es wieder losgeht. Das ist wie wenn du nach gleicher Zeit Arbeitslosigkeit wieder in einen Vollzeitjob einsteigst. Aber das heißt doch nicht gleich, dass mir Kind und Studium zu viel ist.

Ganz und gar nicht. Aber ich glaube nicht, dass ich nur, weil mein Kind eine Beeinträchtigung hat, kein Recht mehr habe ein eigenes Leben zu haben. Denn ja neben meinem wunderbaren Sohn gibt es auch noch eine Jenny. Neben meiner Mutterrolle gibt es eine Jenny. Neben meinen Hausfrauen da sein gibt es eine Jenny. Eine Jenny die eigene Interessen hat. Eine Jenny, die Ziele mit ihrem Studium hat. Die sich zum einen mehr darin qualifiziert was Integration und Inklusion eigentlich bedeutet, was es für rechtliche Möglichkeiten gibt. Eine Jenny, die sich auf kommunal-politischer Ebene mit engagiert über den Aktionsplan Inklusion, damit das Leben für Menschen mit Behinderung wenigstens ein wenig besser wird. Und eine Jenny, die mit diesen Faktoren drum herum das Beste macht, damit es ihren Sohn gut geht und sie viele schöne gemeinsame Momente haben. Eine Jenny, die die bestmögliche Betreuungssituation für ihr Kind bekommen hat, die sie bekommen kann und die ihr Kind auf seinem Weg stützt und die Stolz über jeden Fortschritt ist. Die immer wieder kämpft und auch mal Seminareinheiten und Vorlesungen sausen lässt für wichtige Arzt und Therapietermine.

Ja ich liebe mein Kind, aber ja ich bin auch noch eine eigene existente Person. Ich bin der Überzeugung, dass es meinem Kind nur gut geht, wenn es auch mir gut geht und erst seit meinem Studienbeginn fühle ich mich komplett in meinem Selbstbild. Aber auch ich habe das Recht mal zu sagen: Heute war es anstrengend.

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