Eine schicksalshafte Begegnung

Gestern war ich mit Sohnemann 5 Stunden im Krankenhaus, da er einen fiesen Ausschlag an der Hand hatte. Er war rot und trocken und am Ende der 5 Stunden war er weder weg noch wussten wir woher er kam, aber die 3 Stunden im Wartezimmer haben sich gelohnt und uns einen neuen Freund beschert. Doch von vorne.

Als ich Sohnemann vom Hort abholte jammerte er, dass seine Hand ihm weh tut. Ich schaute sie mir an und stellte fest, dass sie rot und trocken ist. Ich fragte ihn wie lange das schon ist und ob es weh tut. Er meinte, dass es schon seit mittags als er zum Hort ging da ist und das es piekst. Er fragte mich, ob er zum Doktor dürfte und wir sind also ins Krankenhaus gefahren. Er hätte sonst keine Ruhe gegeben. Aber vielleicht war es einfach Schicksal. Nach der Anmeldung sind wir ins Wartezimmer und 5 Minuten später kam eine Frau mit Kind zusammen mit einem Mann rein. Mein Gedanke war Familie mit kranken Kind. Aber sie hatten merkwürdiger Weise weiße Zettel dabei. Sohnemann war auch neugieriger wie ich und fragte mich: „Mama, woher kommen die?“ Er hatte halt bemerkt, dass die Hautfarbe anders war. Ich sagte, dass ich das nicht weiß, da man das nicht am Aussehen erkennen kann und bot ihm an, dass er doch fragen soll. Dies tat er. Sie verstanden ihn aber nicht. Der Mann merkte aber dass er versuchte mit ihm Kontakt aufzunehmen und sprach mich dann an was er denn wissen möchte. Und so kam es zu den schönsten 3 Stunden Krankenhaus Aufenthalt, die ich je hatte.

Ich fragte also für Sohnemann wo sie herkommen und der Mann sagte, dass er aus Syrien ist und die Frau und das Kind auch. Er war in der ALux und niemand hatte der Frau wirklich geholfen. Sie sah verzweifelt aus und das Kind war sehr krank, daher hat er sich ihrer angenommen und dafür gekämpft, dass er sie ins Krankenhaus begleiten kann mit dem Kind. Sie waren also keine Familie. Auf Nachfrage erzählte er mir dann, dass er seit 3 Monaten in Deutschland ist. Erst war er in Stuttgart und kam dann nach Trier in die Aufnahmeeinrichtung und nun wohne er in einer Wohnung. Leider aber haben die Leute in seiner Wohngegend wohl Angst vor ihm. Er erzählte aber auch ein von Halloween und Kindern die an seine Tür kam. Er sagte, dass er glaubt, dass sie „Trick or Treat“ sagten und er leider keine Süßigkeiten da hatte, aber fragte ob Schokolade in Ordnung sei. Das war es und so konnte er doch was geben. Er sagte es ist aber schwierig für ihn sonst, da viele einfach in ihren Ängsten bleiben und auf ein freundliches Hallo nicht reagieren.

Ich erzählte dann von Sohnemann, dass er auch öfters Hallo zu Leuten sagt und die wenigsten Antworten. Und auch erzählte ich von den zwei Kategorien Menschen, die es in Deutschland gibt, die die fremdenfeindlich sind, die aber zum Glück in Trier stark in der Minderheit sind und die die freundlich sind und auch helfen. Aber leider sind davon gerade zu wenig in der ALux und AFA tätig, weshalb dem Kind nicht so schnell geholfen wurde. Da waren wir uns einig und es war gut, dass er energisch geworden ist und für das kranke Kind gekämpft hatte, dass es in die Klinik kann. In der Zwischenzeit machte Sohnemann Becher mit Wasser und bot es an. Der Mann nahm es gerne und die Mama und das Kind sagten, dass es nicht schmeckt, da dort Sprudel drin ist. Nun hatte Sohnemann aber extra für die beiden noch einen Becher gemacht und durch Zufall ohne Sprudel. Der Mann übersetzt das für ihn und sie waren froh darüber und der kranke Junge bekam was zu trinken. Er sah wirklich nicht gut aus. Aber zum Glück wurden sie zwischendurch mal reingerufen, sodass er zumindest ein Fiebermittel bekam.

Der syrische Mann erzählte uns dann ein wenig von sich. Er erzählte von Syrien und seinen Haustieren und zeigte uns Bilder seiner wunderbaren Heimat auf dem Handy. Er erzählte, dass er seinen Hund und seine Katze nach Ägypten zur Familie hat senden lassen. Er erzählte, dass Menschen vorm Krieg zu ihm in die Region geflüchtet sind, dass er ihnen geholfen hat. Denen die in Zelten in den Gärten lebten und das Menschen Gerüchte verstreuten er würde den Rebellen helfen. Er erzählte von Folter und 1 ½ Monaten Gefängnis in Syrien wo man versuchte ihm ein Geständnis heraus zu holen. Und das er danach entschieden hat zu fliehen. Von allein berichtete er warum er nach Deutschland floh. Er hatte die Hoffnung, dass wir, die wir durch 2 Kriege vorbelastet sind, ihn verstehen. Nachvollziehen könnten warum er flieht. Er hatte eine Hoffnung in Deutschland. Er erzählte wie sehr er seinen Hund vermisst und das er immer, wenn er mit seiner Mutter telefoniert seinen Hund ruft und dieser sich wohl nach ihm umdreht. Zumindest sagt seine Mutter das. Er erzählte von syrischen Freunden die eine Farm haben. Auf der sie einen großen Tiger auch halten. Wir hatten also ein schönes Thema: Tiere. Wo wir uns austauschen konnten. Er bekam auch unsere Katzen zu sehen. Wir redeten über Vegetarisch essen. Er erzählte, dass er es mal einen Monat versucht hatte, aber dass nichts für ihn ist und bewunderte Sohnemann, dass er es schon seit 2 Jahren so hält. Er versuchte Sohnemann ein wenig arabisch beizubringen und Sohnemann versuchte andersrum ihn Deutsch beizubringen. Er erzählte auch von den syrischen Kindern, wo er mit vielen oft gespielt hat in Syrien und ihn neue Dinge beigebracht hat. Und er versprach Sohnemann, dass es, wenn es irgendwann in Syrien wieder sicher ist, der Krieg vorbei ist. Er uns in seine Heimat einlädt und uns Syrien zeigt.

Er fragte auch, da er mitbekam, dass Sohnemann Schwierigkeiten hat in Kontakt mit Kindern zu treten, ob er sich mit ihm mal beschäftigen darf, mit ihm spielen, und fragte Sohnemann, ob sie Freunde sind und Sohnemann bestätigte das. Wir haben in der Tat auch unsere Nummern ausgetauscht, denn in den ganzen 3 Stunden war es nicht einmal merkwürdig. Wir hatten es mit einem herzensguten Menschen zu tun, der sich liebevoll um die Mutter mit ihrem Kind kümmerte und auch dafür sorgte, dass sie sicher wieder „Heim“ kamen. Wobei Heim nicht das richtige Wort ist, denn sie mussten wieder in die ALux.

Ich kann nur sagen, dass es für Sohnemann und mich ein einschneidendes Erlebnis war. Es war eine schicksalshafte Begegnung und ich bin froh um jede Minute. Sohnemann war so offen und ich fand es eine angenehme Zeit. Mich freut es, dass wir in all der Not ihnen ein paar angenehme Stunden bereiten konnten im Krankenhaus, einfach indem wir miteinander sprachen. Und ich wünsche mir dass es dem kleinen Jungen bald besser geht. Ich werde auf jeden Fall mal nachfragen bei unserem neuen Freund.

Alles Liebe

Jenny

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3 Gedanken zu “Eine schicksalshafte Begegnung

  1. So hat sich euer Krankenhausaufenthalt wirklich gelohnt.
    Hoffentlich geht der Ausschlag deines Sohnemannes bald wieder weg.
    Ich finde es wahnsinnig toll, wie offen dein Kind ist. Und wie super du mit der Sache umgegangen bist und ich finde es wahnsinnig toll, dass ihr jetzt einen neuen Freund gefunden habt.
    Man kann’s nur immer und immer wieder sagen: Refugees Welcome!

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    1. Guten Abend Leo,

      der Ausschlag ist immer noch da, die Hände immer noch trocken. Naja, was hab ich auch erwartet. *kopfschüttel*
      Ja, er ist sehr offen und auch sehr interessiert. Ich war mir oft unsicher, ob ich ihn Fragen lasse, aber ich dachte mir warum nicht. Es war schön in diesen Kontakt zu kommen, aber ich war so erschrocken zu hören was da geschehen ist. Ich war erschrocken diese Realität wahr zu nehmen und ich weiß nicht mal etwas über die Flucht an sich. Aber mir wurde deutlich wie ähnlich das Leben in Syrien ist zu Friedenszeiten. Wie kann man besser über das Leben dort etwas erfahren als über einen Menschen, der von dort kommt. Mir ist es so wichtig, dass mein Sohn lernt andere nicht auf Grund ihres Aussehens zu verurteilen, sondern das er versucht offen auf Menschen zu zu gehen. Diese Art von Weg ist nicht leicht. Schon oft hab ich auf Grund von Offenheit mich mit Menschen angelegt, weil viele Menschen meinen,dass man das privatleben bitte versteckt hält, aber ich steh zu meinem Leben.
      Ich kann dir aber nur zustimmen: Refugees Welcome!

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