„The Family of Man“ – Edward J. Steichen

Wie ich schon beim Wochenende in Bildern erwähnt hatte, war ich am Sonntag auf einer Exkursion im schönen Luxemburg. Ich besuchte die Ausstellung „The Family of Man“ von Edward J. Steichen im wunderschönen Schloss Clervaux. Es gab allerdings keine Bilder der Ausstellung, da ich vorher noch die Pressestelle anfragte wie ich mich im rechtlich sicheren Rahmen bewege und bekam heute Mittag die ersehnte Antwort und Freigabe für Fotos, die mehr als ein Bild zeigen.
Die Ausstellung „The Family of Man“ beinhaltet 503 Fotografien von 273 Fotografen und wurde von Edward Steichen zusammengetragen. Das erste Mal zu sehen war sie im Museum of Modern Arts in New York. Die „Ausstellung versteht sich als Manifest für den Frieden und die fundamentale Gleichheit der Menschen – ausgedrückt durch die humanistische Fotografie der Nachkriegszeit.“ (s. http://www.steichencollections.lu/de/The-Family-of-Man ).

Foto: Jennifer Brinkmann Ort: "The Family of Man", Schloss Clervaux/Luxembourg
Foto: Jennifer Brinkmann
Ort: „The Family of Man“, Schloss Clervaux/Luxembourg

Die Ausstellung reiste an 150 Museen (siehe Karte oben) bevor sie 1994 als Dauerausstellung ins Schloss Clervaux kam. Seit 2003 gehört die Ausstellung „The Family of Man“ zum UNESCO Weltdokumentenerbe und hat schon mehr wie 10 Millionen Besucher angelockt.

Begonnen hat die Ausstellung mit einem Bild von einer größeren Menschenmasse und ging dann in einen kleineren Raum mit 3 Fotografien über. Hier war genug Platz, so dass 2 Kommilitoninnen noch ein Referat vortragen konnten über die Ausstellung und ihre Hintergründe, welche ich oben ja schon kurz angerissen habe.
Weiter ging es in einen Raum, in welchem Links als erstes Bilder von frisch verliebten Paaren und Hochzeiten gezeigt wurden. Spannend war, dass wirklich perfekt darauf geachtet wurde, dass die Menschen sich zum einen gleichen und zum anderen doch die kulturellen Differenzen deutlich wurden. Diese Art der Darstellungen zog sich im Übrigen durch die ganze Ausstellung.
Rechts von den Bildern der Eheschließungen waren dann Bilder von schwangeren Frauen:

Foto: Jennifer Brinkmann Ort: "The Family of Man", Schloss Clervaux/Luxembourg
Foto: Jennifer Brinkmann
Ort: „The Family of Man“, Schloss Clervaux/Luxembourg

Die Gitterwand war in einen Halbkreis gebogen und ging über in Bilder der Geburt und im Anschluss zu stillenden Frauen. Gerade diese Bilder waren sehr ästhetisch und riefen in mir wieder diesen Unglauben hervor, warum das Stillen, welches ja ein ganz natürlicher Vorgang ist, heutzutage nur noch versteckt stattfinden sollte. Warum Mütter sich für diese Natürlichkeit auf eine Toilette setzen müssen, weil andere Menschen sich daran gestört fühlen, dass ein Baby ernährt wird.

Foto: Jennifer Brinkmann Ort: "The Family of Man", Schloss Clervaux/Luxembourg
Foto: Jennifer Brinkmann
Ort: „The Family of Man“, Schloss Clervaux/Luxembourg

Die Fotografien zogen sich weiter durch verschiedene Lebensphasen und ganz spannend war es, dass durch den Ausbau der Räumlichkeiten und die Aufhängung der Fotografien, immer wieder Vernetzungen der einzelnen Räume stattfanden. So ging es nach der Geburt weiter durch die Kleinkindphase, das Familienleben und wie Mütter mit den Kindern umgehen, aber auch verschieden Arten des Umgangs von Vätern mit ihren Kindern. Ganz spannend war aber auch eine Wand, welche verschiedene Ängste von Kindern aufgriff:

Foto: Jennifer Brinkmann Ort: "The Family of Man", Schloss Clervaux/Luxembourg
Foto: Jennifer Brinkmann
Ort: „The Family of Man“, Schloss Clervaux/Luxembourg

Im weiteren Verlauf zeigte es Erwachsene Menschen bei der Arbeit. Sie verrichteten identische Arbeiten nur mit verschiedenen Werkzeugen. Ein Bild hatte auf mich eine sehr starke Wirkung. 4 Hände griffen zusammen an einem Hebel. Es drückte für mich einen starken Zusammenhalt aus und weckte in mir eine tiefe Emotion hervor. Leider kann ich dieses Bild euch nicht zeigen, da es eine Einzelfotografie ist und ich vorher noch den Künstler kontaktieren müsste.
Einen Raum später war in der Mitte des Raumes eine faszinierende Anordnung von Familienportraits. Von jedem Blickwinkel aus konnte man Familien aus verschiedenen Ländern sehen und beobachten was Ihnen gemein ist. Darum herum an den Seitenwänden waren auf der etwas tiefer gelegenen Ebene Bilder aus dem Bergbau und an der höheren Ebene Bilder von Arbeiten über Tage. Der Raum hatte eine leichte Steigung.

Foto: Jennifer Brinkmann Ort: "The Family of Man", Schloss Clervaux/Luxembourg
Foto: Jennifer Brinkmann
Ort: „The Family of Man“, Schloss Clervaux/Luxembourg

Die Ausstellung führte durch einige Szenen weiter vorbei an Menschen, die eine Mahlzeit zu sich nahmen, an feiernde Menschen und Menschen die Kunst und Kultur genießen und irgendwann kam eine Räumlichkeit in der auch Bilder zu verschiedenen Lernphasen im Leben gezeigt wurden. Die Hörsäle sehen so ziemlich aus wie unsere heute noch. Oder was meint ihr?

Foto: Jennifer Brinkmann Ort: "The Family of Man", Schloss Clervaux/Luxembourg
Foto: Jennifer Brinkmann
Ort: „The Family of Man“, Schloss Clervaux/Luxembourg

In diesem Raum machte ich auch ein Foto, um euch mal die Art der Raumübergänge zu zeigen.

Foto: Jennifer Brinkmann Ort: "The Family of Man", Schloss Clervaux/Luxembourg
Foto: Jennifer Brinkmann
Ort: „The Family of Man“, Schloss Clervaux/Luxembourg

Von den nächsten Räumen machte ich keine Bilder, denn es waren zu viele Besucher da. Hier musste ich natürlich auf die Persönlichkeitsrechte achten. Es ging aber weiter in einen Raum mit einem ovalen Rondell an welchem mehrere Fotografien befestigt waren die Kinder aus verschiedenen Ländern in unterschiedlichen Situationen beim Reigentanzen zeigten. Dennoch ging die Ausstellung thematisch immer weiter zum Lebensende hin. Der Ausgang aus dem Raum mit dem Rondell war ein Durchgang durch 2 gebogene Wände mit verstorbenen Menschen verschiedener Altersstufen dran und am Ende des Durchgangs hing an einer Wand ein großes Bild von einer Menschenmasse auf dem Times Square in New York.  Links und rechts verborgen im ersten Moment waren Bilder von Familien mit kleinen Kindern. Auf jeden Tod folgen neue Leben. der Einzelne Tod verschwindet in der Masse der Menschen. Dies waren die Eindrücke die mir von da blieben.
Weiter ging es über Menschen in politischen Situationen und auch dem Bild eines Soldaten wo man sich fragte wer denn das Opfer ist. Je näher es gegen Ende der Ausstellung ging, desto mehr keimte das Gefühl der Hoffnung auf. Besonders im letzten Raum, wo viele Bilder spielender Kinder waren begann man zu hoffen auf eine bessere Welt.

Foto: Jennifer Brinkmann Ort: "The Family of Man", Schloss Clervaux/Luxembourg
Foto: Jennifer Brinkmann
Ort: „The Family of Man“, Schloss Clervaux/Luxembourg

Besonders schön an dieser oben gezeigten Konstellation war die Vernetzung von einem Zitat von William Shakespeare: „Oh wonderful, wonderful, and most wonderful, wonderful! And yet again wonderful …“ und darüber das Bild eines beeinträchtigten Kindes, welches am Strand mit einem Ball spielt, daneben eine Fotografie von 2 gesunden Kindern, welche miteinander spielen. Beide Bilder sind voller Energie und Leben.

Foto: Jennifer Brinkmann Ort: "The Family of Man", Schloss Clervaux/Luxembourg
Foto: Jennifer Brinkmann
Ort: „The Family of Man“, Schloss Clervaux/Luxembourg

Drehte man sich dann um stand man vor der Ausgangstür und sah rechts ein Foto von 1946, welches Eugene Smith gemacht hatte. Es trägt den Titel: „The Walk to Paradise Garden„. Dieses Bild strömte nur so vor Hoffnung und wenn ihr es googelt werdet ihr es sicherlich finden. Es zeigt zwei kleine Kinder Hand in Hand aus dem dunklen ins Licht gehen.
Ich kann gar nicht wirklich in Worte ausdrücken, welchen bleibenden Eindruck die Ausstellung bei mir gemacht hat. Wenn ihr nur ein wenig Interesse für Kultur und Fotografie habt. Für Geschichte und kulturelle Vielfalt, dann ist diese Ausstellung ein Muss.
Enden möchte ich mit einem Zitat, welches zu Beginn der Ausstellung zu sehen war und von Carl Sandburg stammt:

„There is only one man in the world and his name is All Men.
There is only one woman in the world and her name is All Women.
There is only one child in the world and the child’s name is All Children.

A camera testament, a drama of the grand canyon of humanity, an epic woven of fun, mystery and holiness – here is the Family of Man!“

Dieses Zitat fast am besten zusammen warum ich so begeistert bin von dieser Ausstellung und warum man sie definitiv einmal im Leben besucht haben sollte. Ich hoffe ihr hattet Spaß an dieser kleinen Kulturreise.

Alles Liebe

Jenny

 

 

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