Das Hilfeplangespräch

Gestern war ich ziemlich angespannt. Eigentlich weiß ich ja, dass mir keiner was Böses will, aber immer wenn es auf Gespräche zu geht mit X-Personen, die sich mit mir über meinen Sohn unterhalten wollen, habe ich keine Lust. Ich finde es ätzend, wenn man da allein hockt mit 8 anderen Personen aus den verschiedensten Bereichen: Klassenlehrerin, Förderlehrer, Sozialamt, Schulbegleiter, Einsatzleitung des Schulbegleiters, Hort, Autismusbeauftragte der Stadt und Autismustherapeutin. Es ist einfach immer anstrengend, denn auch wenn man Vorgespräche führt weiß man nie was einen wirklich erwartet.

Am Anfang gab es auch ein paar Anspannungen von allen Seiten. Es gab ein paar Spitzen, da ich einladen musste zu dem Gespräch und Verwunderung darüber, dass überhaupt das Sozialamt zuständig ist. Dies klärte sich aber dadurch, da wir bei meinem Sohn von einer Mehrfachbehinderung sprechen und nicht von einer rein seelischen. Wir haben ja noch die Infantile Cerebralparese.

Weiter ging es dann mit schönen Sachen. Dingen die ich einfach herrlich finde zu hören und bei allem defizitorientierten Gesprächen freue ich mich auf diese Teile. Vom Förderlehrer gab es großes Lob für meinen Sohn. Im Unterricht würde er gut mitmachen, da gäbe es auch soweit keinen Kummer und besonders schön sei es, dass er für die Aufgaben eigentlich keine Hilfe braucht, wenn er sie aber braucht, dann auch nachfragt. Meist macht er es aber allein. Etwas was mir auch daheim beim gemeinsamen Lernen aufgefallen ist. Das geht runter wie Balsam so etwas zu hören.

Im Anschluss wurde weiter geredet über Sport und Musik. Hier falle auf, dass er immer wieder Rückzugsmöglichkeiten braucht. Da kann man ihn ja nicht allein lassen auf Grund der Aufsichtspflicht. Dies konnte aber zum Glück auch die Dame vom Sozialamt nachvollziehen, da diese Geräuschkulissen in beiden Fächern eine Herausforderung sind. Auch in Kunst kann es zu brenzligen Situationen kommen, da mein Junge ein Freigeist ist. Er mag es nicht nach Vorschrift zu arbeiten, sondern will immer das machen was ihm im Kopf schwirrt. Typisch mein Sohn, beim Basteln und Malen lässt er sich nicht reinreden.

Ein weiterer Knackpunkt sind die Hofpausen. Hier muss mein Sohn ständig unter Beobachtung stehen, da man nie vorhersagen kann, wann die Stimmung kippt. Ich brachte amüsierter Weise einen Spruch rein, der wohl so ähnlich in einer Biografie eines Autisten steht: „Die Schule wäre super, wenn es keine Pausen gäbe.“ Die Autismusbeauftragte sah mich an und lachte und erzählte mir dann davon. Da mussten dann auch alle schmunzeln. Wenn jemand weiß in welcher Biografie das steht bitte Info an mich. Die würde ich gerne mal Lesen.

Die Autismustherapeutin erzählte dann von der Hospitation, welche sie am Morgen machte und bat um Stunden für eine Supervision für den Schulbegleiter. Hier wollte die Dame vom Amt erst nachhorchen und als ihr dann gesagt wurde, dass es sich um 1 Stunde im Monat handelt willigte sie doch direkt ein. Sehr gut, denn der Schulbegleiter braucht diese dringend, damit er sich immer wieder reflektieren kann.

Es kam dann dazu, dass der Schulbegleiter nun nur noch um 9:45 Uhr beginnt, also ab der 1. Hofpause und dann bis zum Schluss bleibt, da Schule und er es so einschätzen, dass mein Sohn ihn nicht vorher braucht. Besonders da auch Sport erst später ist. Der Schulbegleiter fragte dann, ob es möglich sei nach hinten zu verlängern, damit er im Hort unterstützt und ich war ehrlich gesagt schockiert, denn hier kippte die Stimmung natürlich. Die Hortbetreuerin wehrte sich auch vehement dagegen, was ich versteh. Im Hort kommen sie gut zurecht und wenn sie merken es funktioniert etwas nicht, dann schauen sie wie sie es optimieren können. So bekam mein Sohn einen Zeitjoker und ich werde informiert, über einen roten Smile, wenn Redebedarf besteht. Eine sehr gute Lösung wie ich finde. Außerdem haben sie ein rotes Aufsichtsband. Derjenige, welcher gerade für meinen Sohn zuständig ist trägt es. Lustig ist, dass sie es so geschickt eingeführt haben, dass er gar nicht merkt das es speziell für ihn ist.

Ein weiterer Gesprächspunkt war, dass die Klassen zum 1.02 neu eingeteilt werden, da wir aus 2 Klassen endlich 3 Klassen machen dürfen. Zum Schuljahresbeginn ging dies nicht, da wir ein Kind zu wenig dafür hatten. Meine Sorgen waren natürlich, dass mein Sohn in eine andre Klasse muss oder eine neue Lehrerin bekommt. Hier wurde ich sofort beruhigt. Mein Junge behält seine Lehrerin (super, denn die mag und respektiert er) und bleibt auch in seinem Klassenraum. Eine schöne Sache für ihn, dann fällt ihm das auch leichter. Ich hoffe nun, dass auch Kinder bei ihm bleiben, welche er ganz okay findet im Unterricht.

Der letzte Punkt war dann noch der Aufwand mit den Orthesen und die Therapien von meinem Sohn. Hier wurde kurz noch überlegt, ob und wie man ihn entlasten kann, da neben Schule 4 Therapien echt viel sind. Da nun eine Psychotherapie startet wird die Autismustehrapeutin erst mal nur noch im Hintergrund arbeiten bis diese erfolgreich abgeschlossen ist, um ihn zu entlasten. Außerdem ist die Überlegung die Logopädie mit Ende des Rezeptes zu beenden, da die Sprache dank der Schule viel besser geworden ist. Für mich eine sinnige Variante, da mein Sohn wirklich sehr gestresst ist durch die ganzen Therapien.

Alles in allem war es zwar ein langes und intensives Gespräch, welches über 90 Minuten ging, aber ich bin ganz zufrieden mit dem Verlauf und auch sehr erleichtert. Im Sommer kommt dann vor den Ferien ein neues Gespräch und wir schauen dann wie es weiterläuft.

Euch werde ich natürlich immer wieder zwischendurch informieren.

Ganz liebe Grüße

Jenny

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6 Gedanken zu “Das Hilfeplangespräch

  1. Deine Anspannung vorher kann jeder, der einmal ein HPG hatte, gut nachempfinden. Aber es hört sich ja wirklich so an dass ihr unheimliches Glück mit Schule und den Zuständigen habt. Ganz toll finde ich das Armband, dass dein Sohn aber nicht auf sich bezieht! Ach, ich wünschte wir hätten hier eine vergleichbare Schule mit Hort. Und ja, eine Schule ist toll. Ohne Pausen. 😃 Liebe Grüße

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    1. Ich bin ehrlich ich hab auch sehr für gekämpft, dass mein Sohn dahin kommt. Normalerweise ist das gar nicht unser Einzugsgebiet. Da ich aber in der Ecke der Schule studiere konnte ich gegenüber dem Schulamt begründen, warum mein Kind dahin soll. Außerdem hatten wir bei Bewilligung auch schon einen integrativen Hortplatz 🙂 Ein einmaliger Hort bei uns.

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  2. HPGs sind anstrengend, aber schön, dass so viel positive Rückmeldung kam. Man hat ja irgendwie immer am meisten Angst, dass das Gegenteil passiert. Da ist die Anspannung davor natürlich kein Wunder. Umso schöner, wenn dann so viel positive Rückmeldung die Ängste nehmen kann. 🙂

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