Es ist gut so wie es ist

Es gibt Momente mit einem Kind, da würde man am liebsten Fluchen, da ist man evtl. als Elternteil selber verletzt. So Momente gibt es nicht nur bei uns Eltern autistischer Kinder. Auch ein „normales“ (Die Anführungszeichen sind bewusst gesetzt, denn was ist normal?) Kind brüllt mal die Mama oder den Papa an und beschimpft sie.

So durfte ich mir schon Dinge anhören wie „Du blöde Kuh“, „Arschlochmama“, „Arschlochkuh“, etc. Die Kreativität meines Kindes kennt besonders seit der Einschulung keine Grenzen mehr. Natürlich zeige ich meinem Kind, dass dies nicht in Ordnung ist und mittlerweile „beißt er sich selber auf die Zunge“ (Achtung: Redewendung), wenn so ein Wort wieder gefallen ist. Dafür brauche ich keine Strafen. Ich habe mit Aufklärung gearbeitet und die Logik der Wörter in der Verwendung als Schimpfwort aufgezeigt. So kam er selber zur Einsicht, dass die Wörter nicht okay sind, da sie logisch nicht mal Sinn ergeben.

Natürlich darf mein Kind sich ärgern. Ich ärger mich ja auch öfters mal, aber halt ohne Kraftausdrücke. Die andere Baustelle ist bei uns die Gewalt, aber die ist durch den Autismus eine ganz andere Baustelle und durch die fehlende Frustrationstoleranz sowieso. Darauf möchte ich auch heute gar nicht eingehen, denn eigentlich möchte ich auf schöne Dinge eingehen.

Neben all diesen Negativmomenten gibt es in unserem Leben immer wieder sehr schöne Momente. Ein drücken mit den Worten „Ich hab dich lieb“. Das zeichnen eines Herzes in die Luft. Der Luftkuss. Das gemeinsame Lachen beim Spielen oder so ein Moment wie heute. Ein Moment der mir zeigt, dass mein Kind, so wütend es ist, wenn es um den Schulbegleiter geht, bewusst ist, dass ich es gut mit ihm meine.

Ich erzählte heute Morgen meinem Sohn, dass ich ihn am Montag in die Schule begleite und auf dem Ausflug und sagte ihm auch warum. Ich erklärte ihm auch, dass ich ihn dann wie die andren Kinder Hand in Hand gehen lasse mit einem Klassenkameraden, damit er sich nicht besonders fühlt in dieser Situation und Anders. Er möchte gleichbehandelt werden und das verstehe ich auch. Leider kommen wir nicht ohne Schulbegleiter aus. Mein Sohn kam dann auf mich zu und sagte: „Danke, Mama, dass du dich immer so für mich einsetzt.“ So wütend er die letzten Tage immer war so glücklich war er heute. Es war, nach Tagen des frustrierten in den Fahrdienststeigens, das erste Mal, dass er heute ohne Murren und ohne schlechte Laune abfuhr. Es war ein Moment heute, welcher mich einfach glücklich gemacht hat, denn er zeigt, dass ich doch einiges richtigmache. Ein Moment, der mich Kraft tanken lässt und mir ein gutes Gefühl gibt. Ein Moment, der mir zeigt wir sind auf einem guten Weg. Der mir deutlich macht, warum ich mich gerne für mein Kind einsetze und warum ich es auch mal ertrage mit einer Beleidigung verletzt zu werden. Es war ein Moment, der mir wieder zeigte: Es ist gut so wie es ist und wir können beide Stolz sein so ein festes Band zu haben.

(Anmerkung: Das Beitragsbild entstand Karneval 2013 und ist eines meiner liebsten  Bilder)

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