#allesperfekt? Gedanken über Perfektionismus

Die liebe, Dani von Glucke und so rief zur Blogparade auf unter dem Motto #allesperfekt und ich muss sagen ich finde das spannend und gleichzeitig verdammt schwierig. Seit Tagen überlege ich wie ich einen Beitrag dazu formulieren kann. Die Glucke gab zwar hilfestellende Fragen und dennoch ist es so schwer. Muss ich doch erst mal überlegen was für mich „perfekt“ ist. Ist es der klassisch psychologische Perfektionismus oder ist es doch eher der philosophische Perfektionismus? Oder doch gar nichts davon?

In der Psychologie wird Perfektionismus als ein psychologisches Konstrukt gesehen, welches versucht ein übertriebenes Streben nach dem perfekten, fehlerfreien zu erklären. Allerdings gibt es hier keine einheitliche Definition. Man sieht den Perfektionismus nach meinem Verständnis eher als negativ an und setzt ihn in klinischen Studien mit Störungsbildern wie Alkoholismus, Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, etc. in Verbindung, wobei alle Bilder auch ohne einen Drang zum Perfektionismus entstehen können.

In der Philosophie wird nicht nach dem eigenen guten Leben gefragt, sondern nach dem guten für den Menschen. In älteren Theorien wie der Staat von Platon zum Beispiel ist Perfektionismus ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem einzelnen Menschen (personaler Perfektionismus) und den gesellschaftlichen Gruppen innerhalb des Staates. Er geht von der Vorstellung aus, dass Philosophenkönige am besten regieren, da sie das Gute erkennen. In modernen Theorien, wie der von Stanley Cavell, welcher Bezug auf Ralph W. Emerson nimmt, wird von einem moralischen Perfektionismus gesprochen.

Bei meiner Reise durch verschiedene Vorstellungen über Perfektionismus bin ich dann auf eine Definition gestoßen, welche mir am ehesten zusagte. Zu finden ist diese unter http://www.socrethics.com/Folder2/Perfektionismus.htm . Hier wird die Perfektionierung des Einzelnen als Ethik der Selbstverwirklichung bezeichnet, wobei diese als offener Prozess verstanden wird. So wird auf Cavell eingegangen, welcher 2 Merkmale dieses Prozesses charakterisiert:

  1. Das Bemühen um Authentizität
  2. Ein stufenweises, ungerichtetes Fortschreiten

Um dies in Gang zu bringen braucht man 3 wichtige Eigenschaften:

  1. Spontaneität (sich auf neue Wahrnehmungen einzulassen)
  2. Selbstkritik (Einsicht, dass man selber nicht Vollkommen ist)
  3. Das Vertrauen in eine Vermittlungsperson

Prinzipiell sind das die Dinge, die ich unter Perfektionismus verstehe und die ich auch meinem Sohn beibringe. Schon seit klein auf sage ich ihm immer wieder, dass auch ich Fehler mache, dass auch ich mich entschuldigen muss, wenn ich nicht richtig gehandelt habe und das kein Mensch perfekt ist. Jeder macht Fehler. Das ist menschlich. Eine Eigenschaft, die ich nicht von daheim lernte, denn meine Erzeugerin ging immer davon aus, dass alle anderen Fehler machen nur sie nicht. Ein in meinen Augen gefährlicher Gedankengang. Wenn man eigene Fehler nicht sehen kann, dann weiß man nicht was man an sich verbessern kann oder sollte und ist nicht Selbstreflektiert. Aber genau das muss ich zum Beispiel künftig als Pädagogin sein. So frage ich mich auch öfters nach Situation wie ich hätte anders handeln können.

Was würde ich aktuell an mir langfristig verbessern wollen? Zum einen meine sprachlichen Fähigkeiten. Ich fühle mich an der Universität oft sehr ungebildet. Ich habe ständig das Gefühl, dass ich nicht ganz reinpasse und das Gefühl zu versagen. Meine entsprechenden Panikattacken würde ich diesbezüglich gerne in den Griff bekommen, denn ich blockiere mich selber. Auch würde ich gerne mehr Selbstbewusstsein haben was den Umgang mit meinem Sohn betrifft ich würde gerne lernen statt Diskriminierungen zu schlucken mal offen was zu sagen. Aber leider bin ich nicht schlagfertig genug. Noch etwas was besser sein könnte. Ich merke zwar eine stetige Verbesserung, aber noch bin ich immer noch zu unsicher. Wobei, wenn ich den Leuten glauben schenke, es keinen Grund dazu gibt, da ich alles so toll mache. Naja, ich mach bestimmt auch noch Fehler und freue mich immer wieder neues zu lernen.

Für mich braucht es also zum perfekt sein das erkennen, dass man nie perfekt ist. Perfektion gibt es nicht, man kann aber lernen stetig an sich und seinen Fehlern zu arbeiten, in dem man kritisch mit sich selbst ist. Eine Eigenschaft, die wie ich finde auch in der Kindererziehung wichtig ist, denn gerade als Vorbilder sollten wir auch unseren Kindern gegenüber eingestehen, dass auch wir nicht fehlerfrei, nicht perfekt sind. Was aber nicht bedeutet, dass man immer nur negativ kritisch von sich denken sollte, denn man sollte auch erkennen, dass man Dinge gut macht. Man sollte ein gesundes Gleichgewicht in sich haben und mit sich selbst zufrieden sein, was ja eine Selbstreflexion nicht ausschließt.

Liebe Dani, danke für diese Blogparade, die mich wirklich ins Grübeln brachte und mich einen Beitrag hat schreiben lassen für den ich wirklich länger brauchte.

Alles Liebe

Jenny

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2 Gedanken zu “#allesperfekt? Gedanken über Perfektionismus

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