1 Jahr – Der etwas andere Jahrestag

Heute ist es ein Jahr her das ein für uns wichtiger Brief eintrudelte. Heute vor einem Jahr war ich zwischen Freude, dass der Kampf gewonnen war und der Traurigkeit es nun auf einem kleinen Ausweis stehen zu haben. Vor einem Jahr bekam ich die Gewissheit, dass mein Sohn als Schwerbehindert eingestuft wird.

Es brachte in mir viele Emotionen hervor. Meine erste Reaktion war ein verzweifeltes Weinen. Ja, ich hatte für diesen Ausweis gekämpft, aber auf einmal war es mehr wie ich wollte. Ich hatte auf 50-70 GdB plädiert und dann stand da 90 GdB. Ich musste schlucken und mit den Tränen ringen und brauchte eine gewisse Zeit, um das selber zu verstehen, zu akzeptieren. Heute kann ich das, aber mein Sohn kann es noch immer nicht ganz. Dabei werde ich ihm aber helfen und wenn wir Glück haben ändert sich 2018 evtl. etwas daran. Mal schauen wie es sich weiterentwickelt und wie er lernt mit seinem Autismus umzugehen. Er ist nun mal Autist und es ist nicht heilbar, aber er kann lernen besser im Leben damit klar zu kommen und ich glaube da an ihn. Er ist so ein wunderbarer Junge und ich geleite ihn auf seinem Weg.

Dieses Jahr mit dem Schwerbehindertenausweis brachte viele Veränderungen mit sich. Mein Bekannten und Freundesradius wurde kleiner und ich lernte mich von Leuten zu trennen, die der Meinung waren ich hätte das alles nur erfunden und meinten ich würde ja nur den Staat betrügen. Bei den Prüfungen, die das Landesamt gemacht hat ist das ziemlich schwierig zu betrügen. Die nahmen bei der Neuprüfung alle Akten zur Hand und telefonierten mit Ärzten und sogar mit dem Einrichtungsleiter der Kita. Der rief mich letztes Jahr noch 3 Tage vorher an und informierte mich, dass das Landesamt angerufen hatte. Sowas braucht man aber manchen Leuten nicht zu erzählen. Die haben nur Angst wegen ihrer Steuergelder und sind der Meinung, dass man doch bitte als Mensch mit Behinderung nichts beantragen soll. Das würde ja den Staat Arm machen, wenn jeder sich das holen würde was ihm zusteht. Ja mit so Äußerungen musste ich mich rumschlagen.

Es war aber auch ein Jahr, indem uns viele Hilfen bewilligt wurden. Ein Jahr indem wir viele Dinge machen konnten die vorher nicht gingen. So wird die Begleitperson durch das Merkzeichen B kostenlos im ÖPNV mit befördert und er selber hat auch eine Wertmarke zur kostenfreien Beförderung. So konnten wir uns eine Reise nach Köln zum Zoo und zum Kölner Dom leisten. So bekamen wir den dringend benötigten Schulbegleiter und ich fand noch mehr halt in meinem Freund, da er sich ganz klar zu uns positionierte. Einen besseren Liebesbeweis kann es nicht geben.

Auch lernte ich eine Freundin kennen, die einfach da ist, wenn man sie braucht. Eine Freundin auf die ich mich immer verlassen kann und die mir auch tröstend zur Seite steht, wenn gerade alles nur noch anstrengend ist und ich wieder eine herausfordernde Situation mit dem Autismus hatte. Eine Freundin die ich auch morgens aus dem Bett klingeln kann, weil ich eine gerissene Hose habe und nicht mehr Heim komm, da ich auf Arbeit muss. Im wahrsten Sinne einen Schatz, die mir auch anbietet mal auf mein Kind aufzupassen, wenn ich mal Paar Zeit haben mag. Da sie auch eine entsprechende Ausbildung hat und mein Sohn sie mag würde ich das auch jederzeit zulassen.

Lieber Schwerbehindertenausweis, wir wären froh, wenn wir dich nicht hätten, aber du hast uns als Familie mehr zusammengeschweißt und klargestellt, dass wir uns das alles nicht einbildeten, sondern hier wirklich Dinge anders sind. Zwischenzeitlich hatte ich selbst an mir gezweifelt. War ich einfach nur eine schlechte Mutter? Heute weiß ich es besser und bin selbstbewusster geworden. Ja, ich mach das mit meinem Sohn gut und er trägt dich mit vollem Recht. Sollte sich an deiner Existenz was ändern werden wir es feiern. Aber bis dahin: Prost! Auf ein weiteres Jahr mit dir. Wir schaffen das!

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2 Gedanken zu “1 Jahr – Der etwas andere Jahrestag

  1. ach das ist alles so bekannt… ich hatte vorher allerdings schon meinen Freundeskreis minimiert. nach Marias Geburt war davon aber dann kaum noch was übrige. Menschen sind einfach .. füge hier ein beliebiges wort ein. fühl dich mal umarmt und sei froh dadurch nun mehr zeit für die richtigen Sachen im leben zu haben. Lg Alex von Maria ante portas

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    1. Das bin ich auch. ich hab genug ärger mit wichtigen Dingen, da brauch ich nicht noch sowas. Heute weiß ich auf wen ich mich verlassen kann 🙂 Und wir sind soweit glücklich. Warum soweit erzähl ich bald, wenn ich mal mehr Zeit habe über einen Blogbeitrag.

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