Schnipsel der Vergangenheit

Eigentlich wollte ich heute meinen Frust über den Schulbegleiter raus lassen, aber wo ich gerade einen Brief an meine Mutter schreiben muss, da sie ein Formblatt für den Antrag wieder ausfüllen muss, drückt mir was ganz Anderes auf den Schuh.

Eigentlich würde ich nach nun 6 Jahren ohne Kontakt ihr doch gerne mal etwas freundliches und nicht nur formelles Schreiben. Ihr vielleicht mal etwas über ihren nun schon fast 8 Jahre alten Enkel schreiben und ich habe auch los getippt und es doch wieder gelöscht. Es ist das erste Mal das ich auf dem Briefumschlag meine Adresse stehen habe. Sonst habe ich immer die vom Bafög-Amt auf den Umschlag geschrieben, weil ich nicht wollte das sie mich wieder mit der Vergangenheit belästigt und doch irgendwie lässt mich meine Mutter nicht los.

Vielleicht weil ich heute reifer bin. Vielleicht weil ich heute weiß, dass sie krank ist/war und deswegen sich nie anders verhalten konnte und sich vielleicht auch nie anders verhalten kann. Aber genau das zweite macht mir Angst.

Was, wenn sich 6 Jahre später immer noch nichts gebessert hat bei ihr? Was, wenn sie immer noch ihre verkappte Sicht auf alle Geschehnisse hat? Wenn sie immer noch nicht sieht, dass auch sie einen Großteil dazu beigetragen hat, dass ich 6 Jahre nicht mit ihr gesprochen, geschrieben habe? Was wenn sie mir wieder Vorwürfe macht, was für eine schlechte Tochter ich doch bin und immer noch der Meinung ist, dass ich sie nur ausgenutzt hätte als ich nach meinem Aufenthalt im Frauenhaus nicht in ihre Nähe gezogen bin? Ich konnte es damals nicht, denn ich war so verletzt von ihr. Ich hatte ihr ein halbes Jahr bevor mein Sohn und ich im Frauenhaus landeten geholfen als sie Zwangseingewiesen wurde. Ich brachte ihr Sachen, rief den Notruf an, um ihr Auto zu finden und riss mir wortwörtlich den Hintern für sie auf, doch als ich Hilfe brauchte ließ sie mich mit meinem Sohn über Weihnachten und Silvester im Frauenhaus hängen. Wir hätten die Tage bei ihr verbringen dürfen, aber sie hatte keine Zeit für uns. Das tat sehr weh und daher wollte ich lieber in die Nähe meines Vaters.

Das auch das keine gute Idee war zeigt meine heutige Situation, denn heute wohne ich fern von beiden Elternteilen und habe zu beiden keinen Kontakt. Mit meiner Mutter ist noch so viel mehr vorgefallen und dennoch bin ich gerade wieder traurig. Meine Familie ist mein Sohn und mein Freund. Mehr Familie habe ich nicht. Meine Eltern bleiben zwar meine Eltern, aber nach allem sind sie nicht meine Familie und dennoch bin ich noch heute immer mal wieder verletzt und traurig und manchmal frage ich mich noch immer was ich nur angestellt habe, dass ich mit meinem Sohn ohne Eltern dastehe.

Ja, es hat mich zu der Frau gemacht die ich bin. Ja, ich weiß auch, dass ich nichts falsch gemacht habe. Ich habe mir meine Eltern nicht ausgesucht und ich habe nur versucht zu schauen, dass ich nicht nur Seelsorger bin, sondern auch Kind. Ich konnte mit 14 einfach nicht mehr zu Hause leben und bin fort von daheim. Ich habe immer wieder versucht den Kontakt zu bessern, aber es war, so kam es mir zumindest rüber als Kind, von meiner Mutter nicht gewollt. Sie schien nie Sinn an einer Familientherapie zu sehen und nachdem sie mich dann 2010 hat hängen lassen wollte auch ich nicht mehr kämpfen.

Und so kommt es das der Briefumschlag nun doch wieder im Müll landen wird und doch wieder nur die Adresse vom Bafög-Amt draufstehen wird. Denn ich habe zu sehr Angst, dass sich die Erlebnisse der Vergangenheit wiederholen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s