3 Jahre Fahrdienst

Ich hatte euch versprochen euch ein paar Geschichten aus unseren 3 Jahren Erfahrung mit den Fahrdiensten zu erzählen. Vorab erkläre ich euch kurz einmal was der Fahrdienst ist. Der Fahrdienst ist bei uns von einem Unternehmen gesendet und für den Transport von Kindern mit Behinderung zuständig, damit sie in die Kita oder Schule kommen, da diese oft nicht Wohnort nah liegen. Es handelt sich hier um einen Kleinbus. Manche Unternehmen haben einen Fahrer und eine Begleitperson andere nur den Fahrer.

Mein Sohn fährt nun seit 3 Jahren regelmäßig mit dem Fahrdienst. Über 2 Jahre zur Kita, fast 1 Jahr zur Schule. In dieser Zeit hatten wir schon mehrere Fahrer und auch so einige Erlebnisse. Fang ich doch mal mit dem frischesten Ereignis heute an. Es war für mich unnötiger Stress, aber hat sich zum Glück noch positiv geklärt.

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Begonnen hat alles damit, dass mein Sohn heute stark frustriert war wegen seiner Orthesen. Er wollt sie nicht mehr tragen, doch nach viel Verständnis und kuscheln konnte ich ihn fertigmachen und runterbringen. 2 Minuten nach Zeit. Der Bus war nicht da. Wir warteten so und ich wurde langsam ungeduldig. 7:20 Uhr, Fahrdienst nicht da und ich hatte um 8:30 Uhr einen Physio-Termin. Langsam bekam ich Panik, beschloss mit meinem Sohn hoch zu gehen und den Fahrer anzurufen, wähle die Nummer und der supergau. Keiner geht dran…. Ich strukturierte also im Kopf alles um. Zog mich um, da ich dachte, dass ich die Physio nun vergessen kann, suchte die Nummer der Praxis raus, speicherte sie im Handy und um 7:36 Uhr waren wir wieder aus dem Haus auf dem Weg in Richtung Bushaltestelle. Ich nahm das Handy, wählte die Nummer der Grundschule, um zu erklären, dass mein Kind zu spät kommt, da unser Bus nicht kam, drücke gerade auf wählen, da hält unser Fahrer neben mir im Privatauto. Ich schau ihn verwirrt an, lege auf und er erzählt, dass der Bus nicht angegangen ist und sich auch nicht überbrücken hat lassen, stellt nebenbei fest, dass sein Handy lautlos ist und erklärt, dass er die Liste der Kinder nicht bei hatte und so nicht informieren konnte. Er nahm dann meinen Sohn mit und ich informierte nur kurz die schule, dass sie später kommen, damit sich keiner dort sorgt und ging dann dennoch zur Bushaltestelle, denn ich konnte nun doch zur Therapie.

Das war eine Situation, die es hin und wieder mal gibt. So einmal in 6 Monaten. Also nicht wirklich oft *zwinker* Es hat sich ja alles klären können. Meistens ist der Fahrdienst übrigens super pünktlich und sehr zuverlässig.

Allerdings hatte ich auch schon andere Erlebnisse. Momente wo der Fahrdienst gar nicht kam. Momente wo mein Sohn, seine Lieblingsbusfahrerin verlassen musste, da er mit dem Beifahrer nicht zurechtkam und einen Moment, wo ich zur Polizei bin und Anzeige erstattete. Anzeige? Ja wie kommt es denn dazu?

Es war kurz bevor wir die Fahrerin wechselten. Mein Sohn war in seinem ersten Kindergartenjahr in der neuen Kindertagesstätte und seine Fahrerin war krank. Wir bekamen also einen Vertretungsfahrer und auf Grund des Autismus reagierte mein Sohn sehr allergisch. Er wollte nicht mit Fahren wehrte sich wohl ziemlich, ging aber unversehrt in den Bus und lies sich von seiner Erzieherin anschnallen. Der Bus muss wohl gerade losgefahren sein, da flippte mein Kind wohl und schnallte sich ab. Der Beifahrer bekam ihn nicht beruhigt, also hielt der Fahrer und ging wohl nach hinten. Schnallte ihn wieder an, aber nicht nur das. Als der Bus daheim ankam, brüllte mich der Fahrer an und ich war ziemlich perplex. Meinte was von wegen, das mein und ihn gekratzt hätte und dass er das Spiel nicht nochmal mitmacht und ich wusste gar nicht was los war. Mein Sohn stieg weinend aus und beschimpfte den Fahrer, der daraufhin noch unhöflicher wurde. Ich nahm meinen Sohn und ging. Mir war das ehrlich gesagt zu viel, denn ich wusste ja gar nicht was passiert war. Als ich oben war sah ich einen blauen Fleck am Auge meines Kindes und mein Sohn sagte mir, dass dieser Fahrer ihn geschlagen hatte. Ich rief die Kita an und erzählte was vorgefallen war und machte mich auf den Weg zum Krankenhaus, um es aufnehmen zu lassen und meldete den Vorfall der Polizei. Trotz bildlicher Beweise wurde das Verfahren im Übrigen jedoch eingestellt, denn es stünde ja Aussage gegen Aussage, obwohl die Kita bestätigen konnte, dass mein Sohn unversehrt losfuhr. Der Beifahrer hat allerdings den Fahrer gedeckt. Der Grund warum mein Sohn dann auch gar nicht mehr mit ihm klar kam.

Es gab noch einen Fall. Einen Fall der durch eigene Fehler und Fehler anderer passiert ist und woraufhin mein Sohn Hundi bekam. Ihr wisst schon der riesen Stoffhund, der immer mitreist und auch mit im Krankenhaus war.

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Zur Erinnerung, das ist Hundi. Der große Stoffhund da.

Es war zu der Zeit als ich noch politisch tätig war. Ich hatte gerade die Pflegestufe durch und wir hatten gerade feste Vereinbarungen gemacht, dass mein Sohn donnerstags vom Pflegedienst geholt wird. Jeden Donnerstag. Es war die zweite Woche und ich Schussel vergaß es ins Buch zu schreiben. Das war mein großer Fehler. Auf jeden Fall saß ich mich besprechend im Fraktionsraum und unterhielt mich mit Parteigenossen als mein Telefon klingelte. Die Kita. Die Erzieherin sagte mir, dass ein junger Mann da sei und mein Kind abholen wolle. „Ja, das ist auch richtig so.“ Da sagte sie, dass mein Sohn aber mit dem Fahrdienst los sei. Könnt ihr euch vorstellen wie es mir da ging? Ich war 45 Minuten Busfahrt von daheim entfernt, mein Freund arbeiten, heißt keiner war daheim und mein Kind war im Bus dahin, schon länger. Ich legte auf und sah auf, dass in der Zeit des Telefonats der Fahrdienst angerufen hatte. Ich rief zurück und der erzählte mir, dass er mein Kind abgesetzt habe. Es hatte zwar keiner aufgemacht, aber ich sei doch gewiss da. Da bin ich explodiert. Ich brüllte in der Tat durchs Telefon und bekam gleichzeitig einen Heulkrampf aus Angst. Mein Sohn war da allein vor meiner Wohnungstür. Mama macht nicht auf, was wenn das Kind Panik bekommt. Der Fahrdienst versprach hoch zu fahren und mir meinen Sohn in die Stadt zu bringen. Ich rief die Erzieherin wieder an und die bekam dann auch einen Heulkrampf am Telefon und fing an sich zu entschuldigen, wobei sie ja auch nicht wirklich was dafürkonnte. Dem jungen Mann vom Pflegedienst ließ ich ausrichten, dass er bitte in die Stadt kommen soll und selber eilte ich durch die Stadt, da mein Sohn an das andere Ende der Innenstadt gebracht werden sollte. Ich war die ganze Zeit verzweifelt konnte mich nicht beruhigen und lief einfach nur weinend in Richtung verabredeter Bushaltestelle und kam zeitgleich mit meinem Kind im Bus an. Sie hatten ihn gefunden und er war mit gegangen wieder. Als mein Sohn ausstieg, war ich in dem Moment so erleichtert, dass ich mein Kind tief schluchzend und weinend in den Arm nahm und der kleine Mann nur so cool: „Hey Mama, alles gut, bin ja da. Das war ein tolles Abenteuer für mich.“ Da konnte ich etwas Lachen. Ich brachte meinen Sohn dann zum Pflegedienst und er erzählte mir wie es für ihn war in der Zeit, danach ging ich zur Sitzung und ja was soll ich sagen, so gefroren habe ich noch nie. Die ganze Anspannung ging weg in der Zeit und ich fror einfach nur noch.

Beide Situationen, die ich hier beschrieben habe. Waren völlige Ausnahmesituationen. Ich habe da wirklich Pech gehabt mit meinem Sohn. Die meiste Zeit sind die Fahrer nämlich gleichbleibend und nett. Hören Kinderlieder mit den Kids, dekorieren ihre Busse zu Karneval oder stecken ihnen auch mal Kekse zu 😉 Aber diese 2 Ereignisse werde ich halt nie wieder vergessen. Bei dem einen Unternehmen hat es aber dazu geführt, dass sie ihre Fahrer jetzt Schulen lassen

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6 Gedanken zu “3 Jahre Fahrdienst

  1. Auch wenn es Ausnahmesituationen waren, waren sie doch sehr unschön und mit vielen negativen Emotionen belegt.
    Super ist aber, dass die Fahrer des einen Dienstes nun geschult werden!

    Schlaft schön 🙂

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    1. Ja sie waren leider sehr unangenehm. Aber, die positiven Erfahrungen überwiegen 🙂 Danke habe ich, wenn auch, wie immer an Wochentagen, zu wenig, liebe Lena. Hoffe ihr hattet auch eine angenehme Nachtruhe 🙂

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  2. Ist schon echt erschreckend, dass bei so einer Tätigkeit tatsächlich Menschen arbeiten, die nicht wissen, wie sie mit ihren Kunden umgehen müssen. Da war es ja quasi Glück, dass er den Vorfall nicht mit dem Fahrdienst direkt in Verbindung gebracht hat. Schlimm dass ihr hinnehmen musstet, dass man ihn geschlagen hat, ohne dass es Konsequenzen hatte.

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    1. Das Problem ist, dass sie halt nur einen Personentransportschein brauchen, also quasi einen Taxifahrschein. Sie brauchen aber keine Schulung, in der sie lernen wie man mit Kindern mir behinderung umgeht, die zum Beispiel sich selbst abschnallen oder aggressiv reagieren können. Die Firma hatte sich zwar alle wichtigen Informationen über die Kinder geholt, aber im ernstfall konnten sie halt nciht effektiv und professionell reagieren.

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      1. Ich denke schon, es sollte den Leuten klar sein, dass wenn sie solche Aufträge annehmen, sie auch vor andere Herausforderungen gestellt werden. Immerhin haben sie nun reagiert und es gibt Schulungen.

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