Das Probeklettern

Gestern haben wir das erste Mal versucht einen Verein zu besuchen. Klettern soll es sein. Seit er Sohn in den Hort geht liebt er das Klettern. Er ist begeistert davon und freut sich immer, wenn er wieder klettern kann. Vielleicht, weil es im Normalfall nicht mit vielen Menschen verbunden ist. Ich habe mich also über den Hort erkundigt, ob es eine Möglichkeit gibt für ihn das Klettern zu lernen und habe Kontaktdaten zu einem Verein bekommen.
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Der Weg zum ersten Klettern

Gestern war es dann soweit. Wir sind zum Klettern gegangen. Schon auf dem Weg dahin war mein Sohn dann aber sehr nervös. Er hatte Angst, dass er die anderen stört oder sie wegen ihm zu unruhig werden. Ausgewirkt hat es sich darin, dass er dann schon auf dem Weg dahin ständig auf Toilette musste. Er hat wohl eine Nervositätsblase wie die Mama.

Auf dem Weg dahin verirrten wir uns leicht und haben dann aber einen netten Hockeyspieler getroffen, der uns mitnahm und zeigte wo wir hinmüssen.

Der erste Eindruck

Mein erster Eindruck war: „Oh, ist das leer.“ Ich vertat mich aber gewaltig, denn die Kinder, die Brennball spielten waren sich am Aufwärmen. Sie gehörten zur Klettergruppe. Mit meinem Sohn und einem anderen Gastkind waren es 21 Kinder. Das war dann doch sehr viel und mein Sohn war direkt überfordert. Er traute sich nicht zu den anderen zu gehen und bat mich mit zu der Trainerin zu kommen. Dann traute er sich auch zögerlich mitzumachen. Auch wenn er eher hilflos dastand und nicht wusste wie das Spiel so richtig geht.

Unerwartete Hilfe
Nach dem Aufwärmen gingen die Kinder nach Vorne und sollten erst mal seitlich an der Wand lang klettern. Da kam ein Mädchen auf meinen Sohn zu und nahm ihn unter seine Fittiche. Zumindest versuchte sie es. Marie (Name geändert) geht auf seine Schule und kennt ihn. Sie sah das er ziemlich verloren wirkte und wollte ihm dann helfen. Eine Freundin von ihr fand das nicht so toll, aber sie hat sich nicht beirren lassen. Sie sagte: „Ich kenne ihn und er geht auf meine Schule. Er braucht mich.“ Total süß von ihr und ich bin ihr wirklich dankbar. Sie erklärte ihm was er machen muss und versuchte ihn zu unterstützen. Als er abfiel sagte sie, du kannst direkt da wieder starten, aber irgendwie war er dann so überfordert, dass er dann nach 3 Versuchen wieder zu mir kam und sich beruhigte.

Marie kam dann und sagte zu ihm, dass er sich doch einen Gurt anziehen soll und hier kam wieder die typische Überforderung, da waren 5 verschiedene Gurte, welchen sollte er denn jetzt anziehen? Verzweifelt schaute er mich an, da ich es aber auch nicht wusste riet ich ihm die Trainerin zu fragen. Da stürzte er erst mal wieder auf Toilette. Als er wieder kam sagte die Trainerin: „Oh du brauchst ja auch noch einen Gurt oder?“ Und er ließ sich zögerlich helfen.

Die ersten Versuche

Marie wollte ihn dann bei sich haben in der Gruppe, aber ihre Freundin hatte schon eine dritte Person zur Gruppe hinzugeholt. Marie war nicht begeistert davon, aber so musste mein Sohn dann mit dem anderen Gastkind und der Trainerin zusammen klettern. Er durfte dann auch als Erster und an der ersten Wand kam er dann auch gut hoch. Sie wechselten dann und er wippte unten dann nervös hin und her und schaute sich nervös um. Als er fertig gemacht wurde für den zweiten Versuch pustete der andere ihn wohl in die Haare. An der Wand fühlte er sich dann gestresst. Er hing an einer Stelle und kam nicht weiter. Er hatte das Gefühl die Trainerin drängt ihn und brach ab. Dann war auch für ihn gut. Er kam zu mir und zog den Gurt aus. Er wollte nicht mehr. Wir sind dennoch geblieben und haben bis zum Ende zugeschaut. Mein Sohn setzte sich auf die Matte und schaute nervös zu. Er hatte den Zeigefinger im Mund und war sichtlich angespannt, aber er hat das gut gemacht. Zwischendurch kam er auch nochmal zu mir und hat sich Ruhe geholt.

Fazit

Am Ende der Einheit sprach ich nochmal mit der Trainerin, wenn er mag darf er noch 2-mal Probeklettern. Ich erklärte ihr dann auch, dass er Autist ist und sie bedankte sich dafür. Der andre Gastjunge ist auch Autist und bei ihm hatten die Eltern das anfangs verheimlich und sie wunderten sich, warum er anders reagiert als die üblichen Kinder. Mein Sohn darf aber auf jeden Fall, wenn er mag, nochmal kommen. Immerhin war er ja doch sehr nervös.

Ich schaue jetzt mal, wenn er mag, darf er Dienstag nochmal probieren, wenn er sagt es ist ihm doch zu viel, dann lassen wir es erst mal. Immerhin sind 21 Kinder für einen Autisten eine doch sehr große Gruppe. Es soll ja ein Angebot für ihn in der Woche sein, was ihn Spaß macht und ihn nicht noch mehr stresst.

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3 Gedanken zu “Das Probeklettern

  1. Hallo Jennifer,

    Ich will kurz auf das auf Toilette gehen eingehen. Ich habe das auch manchmal. Aber es kommt dann nicht. Aber mein Körper weiß, das mir auf Toilette nicht passieren kann. Niemand kommt da in diesen Raum rein. Deshalb ziehe ich mich dort oft hin zurück. In meiner Kindheit hieß es immer, dass ich noch die Toilette besichtigen müsste.

    Gruß fairsein

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