Bewegend, lebensnah, vielsichtig – Ein Kind mit Autismus zu begleiten, ist auch eine Reise zu sich selbst

Heute mache ich etwas auf meinem Blog, was ich noch nie gemacht habe. Aber was mir am Herzen liegt und ich besonders gerne mache. Meine erste Buchrezension erscheint.

Das Buch „Ein Kind mit Autismus zu begleiten, ist auch eine Reise zu sich selbst“ habe ich bereits seit knapp 7 Wochen daheim, doch ich habe 6 Wochen gebraucht, um es wirklich komplett zu lesen. Zum Teil, weil mir mit meinem Sohn, doch teilweise die Zeit fehlte zum Lesen, zum Teil, weil es mich so bewegte, dass ich bewusst eine Pause machte und darüber nachdachte, oder zum Teil, weil ich aus dem Buch einen positiven Moment entnahm und ihn gerade innerlich festhalten wollte.

Die Autorin, Silke Bauerfeind, hat mit ihrem Buch sämtliche meiner Erwartungen erfüllt und teils auch übertroffen. Erwartungen hatte ich, da ich mit zu den 183 Eltern gehöre, die ihren Fragebogen ausgefüllt hatten und auch dies ist ein Grund, warum ich uns immer wieder sehe in diesem Buch.

Beginnen tut die Autorin mit einem Gedicht und der anschließenden Erklärung wie sie selbst Kontakt zum Thema Autismus bekommen hat und warum es ihr so am Herzen liegt. Sie bringt in ihr Buch immer wieder Momente mit ihrem autistischen Sohn Niklas ein, welche den frühkindlichen Autismus von ihm in Teilen zeigen, sodass sich auch ein außenstehender ein Bild davonmachen kann.

Startend mit allgemeinen Informationen geht Silke Bauerfeind Stück für Stück tiefer in das Thema rein. Sie stellt die besondere Art der Wahrnehmung vor und hier nicht nur als Elternteil, sondern auch durch Autisten selber. Sie redet über ihre Art der Kommunikation. Gebärdensprache. Die wir zum Beispiel nicht brauchen, aber die ich faszinierend finde. Es war schön zu erfahren wie sie diesen Weg gefunden haben.
Sie erzählt von Arztbesuchen und zeigt was man da zum Beispiel beachten muss bzw. auch beachten kann. Nicht alles davon passt auf jeden, aber auch ich bin froh, wenn wir so wenig Zeit im Wartezimmer haben wie möglich, denn kurzzeitig geht es mal, aber, wenn wir lange da sind und es unruhig wird, dann wurde es schon hin und wieder zur Herausforderung. Auch von Therapien berichtet sie und sagt ganz klar, bei welcher Art von Therapie man aufhorchen sollte. Allerdings ohne einen befehlenden Ton und ohne Vorwürfe in eine bestimmte Richtung zu machen.
Silke Bauerfeind leitet weiter vom Thema Inklusion über Brückenmenschen und „Vorurteile und Missverständnisse“ zu dem Teil, der mich am meisten bewegte. Denn auch wenn vorher schon immer wieder Zitate aus den Fragebögen kamen wurden sie hier nun intensiv genutzt und brachten daher dieses Buch für mich zum Leben.

Immer wieder zeigt sie die Sicht von uns Eltern. Wie haben wir uns selbst verändert, wie hat sich unser Umfeld geändert, wie sind die Reaktionen, mit was für Sorgen haben wir zu kämpfen, was verletzt uns, wie geht es evtl. Geschwisterkindern, wie holen wir uns Kraft oder auch nicht, wo können wir Hilfe bekommen, wovor haben wir Angst, aber auch was wollen wir sagen und was ist denn schön an unserem Leben mit unseren autistischen Kindern?

In diesem zweiten und auch dritten Teil habe ich oft hier gesessen und musste eine Pause machen, da ich so gerührt war. Ich saß hier und weinte, weil ich uns wiedererkannte. Weil ich Situationen genauso oder ähnlich schon erlebt hatte. Es gab Stellen in dem Buch wo ich dachte: „Ja, darüber könnte ich selber auch mal berichten“ Und jedes Mal ärgerte ich mich, dass ich keinen Stift in der Nähe hatte, denn Silke Bauerfeind hat das so toll in ihrem Buch gemacht. Sie hat immer wieder Platz im Buch gelassen, dass man selber Notizen machen kann. Und ich denke das werde ich nutzen, wenn ich es nun zum zweiten Mal lesen werde.

Als letztes möchte ich nun aber noch anmerken, was mir am meisten gefallen hat. Die meisten Stellen, an denen sie eine blumige Sprache verwendet hat, hat Silke Bauerfeind mit (rw) markiert, damit auch Autisten dieses Buch lesen können und verstehen, dass diese Stelle nicht wörtlich zu nehmen ist. Ganz große klasse, denn so spricht das Buch alle möglichen Menschen an, Eltern von Autisten, Autisten selbst, Therapeuten, Ärzte und auch einfach Menschen, die sich für das Thema interessieren und einen Blick in die Welt des Autismus werfen wollen. Danke für dieses bewegende, lebensnahe und vielsichtige Buch!

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