Wie eine Marionettenspielerin

„Ich stelle es mir anstrengend vor an allen Fäden zusammen zu ziehen.“

Da war sie die Metapher, die mir fehlte. Dass was ich innerlich immer dachte, aber nicht wirklich in Worte fassen konnte. Die Metapher die mich die letzten Wochen so gehemmt hat. Und da wurde sie mir einfach vor die Füße geworfen. Von einer Psychologin im SPZ, bei der ich heute Morgen ein Beratungsgespräch hatte.

Ja, irgendwie passen diese Worte aktuell. Ich versuche irgendwie die Fäden zusammen zu halten. Alles zu vereinen und das nur, damit mein lieber Sohn endlich wieder ein besseres Gefühl hat. Und ja es ist wahnsinnig anstrengend. Es blockiert mich in meinem Schreiben. Es blockiert mich in meinem Leben und es ist so schwer.

Momentan kommen so viele Dinge auf einmal. Seit Herbst ist hier das totale Chaos ausgebrochen. Erst habe ich meinen Sohn aus einem Hort genommen, der uns beiden nicht guttat, dann war kein Schulbegleiter da über Wochen und die Schulsituation spitzte sich so zu, dass ich meinen Sohn zeitweise aus der Schule nehmen musste. Nebenbei kommen dann alle möglichen Leute und wollen, dass man dafür sorgt, dass es wieder funktioniert und dann fängt man an zu ziehen.

Man zieht am Faden „Amt für Soziales und Wohnen“ mehr Integrationshelferstunden werden benötigt und mehr Stunden mit dem Autismus Therapiezentrum.

Man zieht am Faden „Pflegekasse“, da man eine höhere Pflegestufe (nun Pflegegrad) braucht und bitte noch um ein spezielles Hilfsmittel.

Man zieht am Faden „Krankenkasse“, weil man erschöpft ist und eine Kur machen möchte, um einfach mal alles an die Seite schieben zu können.

Man zieht am Faden „Schule“, da man versucht das es dem Kind wieder bessergeht und versucht den Schultag für ihn zu verkürzen.

Man zieht am Faden „Studium“, weil eigentlich soll man nebenbei noch sein Studium zeitgerecht fertig bekommen wegen der Förderung vom Bafög-Amt.

Man schreibt Anträge, führt Gespräche, redet sich den Mund fusselig und hat das Gefühl es geht alles nur langsam und schwer bürokratisch voran.  Man flucht, da man keine Lust mehr hat und einfach mal Hilfe haben möchte, ohne tausende Worte zu reden und zu schreiben. Man wird kreativ und sucht Lösungen. Man hat das Gefühl im Chaos zu versinken. Das Gefühl, dass einem die Fäden immer wieder aus der Hand rutschen, das Gefühl, dass man vielleicht selber nur eine Marionette ist die hilflos durch die Bühnen der Bürokratie irrt und dann kommt dieses Gespräch.

Dieses Gespräch was dir zeigt, dass du die Fäden ja doch noch in der Hand hälst, dieses Gespräch, wo sich ein Mensch in dich hineinversetzt und erkennt, dass nicht das Kind für einen so anstrengend ist, sondern das Drumherum. Dieser Mensch, der sieht, dass du wirklich gut angebunden bist und alles Mögliche versuchst und der dir sagt: „Ich finde ihre Ideen gut, machen sie weiter so.“ Und dann möchtest du weinen, weil dir einfach mal wer zugehört hat und dir sagt, dass es gut ist wie man es macht und du möchtest weinen, weil du erkennst, dass du wie eine Marionettenspielerin, die Fäden in der Hand hast und sie noch nicht verloren hast und du weißt, dass es weitergeht. Dass die Show weitergehen kann und auch muss, denn nur so komm auch ich irgendwann wieder zu Entlastung und kann die Fäden wieder lockern.

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9 Gedanken zu “Wie eine Marionettenspielerin

  1. Hallo Jenny,
    das kling wirklich alles sehr anstrengend bei euch.
    Vor allem schon über einen längeren Zeitraum.
    Ich finde auch, dass du das richtig gut machst und um das beste für deinen Sohn zu erreichen, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass das eine Menge Kraft kostet.
    Trotzdem finde ich es toll, dass du nicht aufgibst und dran bleibst!

    Lg, Keks

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  2. Es tut mir leid dass es dir gerade so schwer fällt. Aber ich kann deine Gedanken ein bisschen nachvollziehen. Als Studimama hat man es wirklich oft schwer. Und deine Lage ist dazu noch wirklich besonders. Ich wünsche dir viel Kraft.

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  3. Ich deke an dich und wünsche dir für euch so viel Kraft wie man nur haben kann und gleichzeitig ab und an einen kleinen Moment der Ruhe, zum durchatmen. Ich schicke dir eine ganz feste virtuelle Umarmung

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  4. Ich weiß manchmal ist es schwer alles unter einen Hut zu bekommen aber bleibt stark und gebt einfach euer bestes. Ein Elternteil zu sein macht stark und dies zu sein kann Kräfte entfesseln die uns so nicht Bewusst sind. Also die Devise lautet daher „Attacke“!

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  5. Ob ich sie sehr gut meister, weiß ich noch nicht. Aktuell wurde es eher schlimmer als besser. Wir stecken in der Nichtbeschulbarkeit. Vereinbarkeiten werden dadurch dramatisch schlecht. Ein Hoch auf nette Dozenten. Aber wir werden auch das schaffen.

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