Bedingt Schulfähig

Wir waren ja lange Still und wie ich angedeutet habe war Luca seit Februar, genauer seit Weiberfastnacht, nicht mehr in der Schule. Bis zu den Osterferien hatte er dann 4 Schulstunden die Woche Hausunterricht, seit Ostern gar keinen Unterricht mehr. In der Klinik nun zum ersten mal wieder vereinzelte Stunden. Unterrichtsbeginn um 8 Uhr stresst ihn. Wie es dazu kam und was passiert ist erzähl ich euch heute. 

Die Karnevalswoche

Karneval. Eigentlich eine schöne Feierlichkeit, doch dieses Jahr stand Karneval unter keinem guten Stern. Schon in der Woche vor Karneval bekam ich die Meldung von der Schule, dass es besser sei, wenn Luca zu Karneval nicht kommt. das sei zu viel Trubel für ihn. Die ersten 3 Tage der Woche kam mir das sogar eher gelegen. Luca hatte viele medizinische Kontrollen. Blutabnahme, EKG und EEG. Untersuchungen, die unheimlich viel Geduld benötigen. Vor allem die Blutabnahme, da Luca da panisch wird. Doch Weiberfastnacht wollte er unbedingt hin. Er freute sich so sehr auf den Schultreff und das gemeinsame Feiern. Im Jahr davor hatte es ihm sehr gefallen. Doch wie sollte ich das lösen?
Ich überlegte mir ihn selber zur Schule zu begleiten, damit wenn was ist ich direkt da bin, doch mein Fehler, ich schaffte es nicht mehr das mit der Klassenlehrerin zu besprechen. Bin halt auch nur ein Mensch. Also ging ich einfach Donnerstags hin und sprach mit der Lehrkraft, doch die sagte dann entweder Luca geht mit mir heim oder bleibt allein mit dem Schulbegleiter da. Da Luca unbedingt mit feiern wollte entschied ich mich heim zu gehen. Eine Stunde entfernt von der Schule.

Die Katastrophe nimmt ihren Lauf

Ich war gerade zu Hause und begann eine E-Mail zu schreiben mit einer Entschuldigung das ich vorher nicht mitteilte, dass ich dabei bleiben wollte. Da klingelte mein Telefon. Der Integrationshelfer. Luca sei völlig außer sich und ich müsste sofort kommen. Ich schaute auf die Uhr teilte mit das ich mich umgehend auf den Weg mache und in ca. 45 Minuten da sei, dann eilte ich los.
Innerlich ging es mir nicht gut. Ich machte mir sorgen, ärgerte mich über mich selbst, dass ich nicht in der Nähe geblieben war. ich hätte es besser wissen müssen und eilte schnell zur Schule. Dort angekommen fand ich den Schulbegleiter vor der Tür eines Raumes, die Tür zuhaltend, Luca dahinter.
Ich löste den Begleiter ab und klopfte an die Tür, machte sie auf, ging rein, schloss die Tür und setzte mich davor. Luca stirrte mich wütend und aufgelöst an. Er war völlig außer sich. Der Raum war völlig chaotisch. Tische, Stühle und Co waren durcheinander geworfen. Ich blieb ruhig und versuchte Luca zu erreichen, sagte das ich jetzt da bin, alles gut ist. Luca brauchte eine Weile um zu registrieren, dass ich als seine Mama da bin. Als er es registrierte fing er an zu weinen wollte nur noch weg und ich tröstete ihn erst Mal. Der Schulbegleiter war auch komplett außer Sichtweite und ich bekam Luca dazu, dass er mit mir seinen Schulranzen holt und mir hilft den Raum zu ordnen. Dabei stellten wir ein paar Schäden fest.

Was war passiert in meiner Abwesenheit?

Das kann ich nur noch versuchen zu rekonstruieren. ich weiß es selber nicht genau. Immerhin war ich nicht da, aber es gab 2 Sichtweisen.

Luca: Die Kinder sollten sich fertig machen zum rausgehen, denn die Garde war da. Er hatte nicht mitbekommen, dass sie sich die Jacke anziehen sollten. Der Schulbegleiter wartete an der Tür auf ihn und schnauzte ihn an , dass er gefälligste seine Jacke anziehen soll, was er unmöglich fand, denn immerhin habe er das nicht mitbekommen gehabt und außerdem zerstöre die Jacke sein Kostüm. Er wurde daraufhin etwas wütend, wollte sich aber seine Jacke anziehen und sei dann aber direkt in den doofen Raum gebracht worden und da dann allein gewesen. Vor der Tür habe der Schulbegleiter wohl mit Lehrern gesprochen wie unmöglich er sich wieder aufführen würde, was Luca triggert.

Schulbegleiter: Den Kindern war mehrfach mitgeteilt worden, dass sie die Jacke anziehen müssen, da es kalt draußen ist. Luca kam ihm ohne Jacke entgegen und er hat ihn zurückgeschickt. Erst hätte Luca das auch machen wollen sei dann aber auf ihn losgegangen, weshalb er ihn in den Raum gebracht habe. das er sich mit Lehrern dann unterhalten habe stimme, aber was solle er auch anderes machen, wenn sie ihn fragen.

Mehr bekomme ich nicht rekonstruiert.

Was folgte….

Die Situation brachte viele Schwierigkeiten mit sich. Lucas Schulbegleiter wäre eh nicht mehr gekommen. Ich war auf der Suche nach einer neuen Person. Aber da 2 Frauen zur Auswahl standen war das der Schule nicht recht. Luca sollte auch erst mal nicht mehr zur Schule und ein Hilfeplangespräch wurde angesetzt. Bis dahin wurde Luca beurlaubt. Hätte ich dem nicht zugestimmt wäre eine Gefährderaussprache getroffen worden. Luca verstand nicht mehr, war frustriert und wurde extrem anhänglich. Alle Erwachsene sind doof. Therapeuten doof, Schulbegleiter doof, alle doof.
Beim Hilfeplangespräch stand dann schnell fest das Luca bitte mehr Medikamente zu bekommen hat und bitte vollstationär solle. Er sei ja hochgradig aggressiv. Die Schule war nicht in der Lage zu verstehen, warum die Situation so eskalierte und lies die Vorgeschichte (die erzähle ich euch noch)  völlig außer Acht. Das Schulamt bewilligte kurzfristig Hausunterricht. Der Förderlehrer erklärte sich bereit das zu machen. Ich sollte mitteilen wann es in Reha geht und nach Ostern würde man weiter schauen.

Der Hausunterricht

Von da an bekam Luca zweimal die Woche Hausunterricht. Doch plötzlich hatte er mehr Hausaufgaben als Unterricht so und war immer gestresster. Warum sollte er auch was für die Schule machen, wenn er eh nicht hin darf? Er verstand das nicht und verweigerte sich immer mehr. Bis am Ende ich quasi ihm erläutern musste was er tun soll und der Lehrer nur noch Deko war. So kam dann der Beschluss, da Luca nach Ostern eh 2 Wochen später mit mir in Reha sollte, dass auch dieser nicht mehr statt findet bis er in der Klinik war. Von da an hatte Luca seit den Osterferien keinen Unterricht mehr.

Schule in der Klinik

In der Klinik hatte Luca dann nach 1 1/2 Wochen Aufenthalt das erste mal wieder Schule. Erst dann, da diese Pfingstferien hatten. Es kristallisierte sich schnell raus, das Luca weiterhin einen Schulbegleiter braucht und dieser ihn auch künftig zur Seite stehen muss. Er ist sofort abgelenkt, wenn niemand neben ihm ist. Mehr wie 2 Stunden am Tag gingen nicht und wenn etwas passierte, dann ging er weg. So zum Beispiel als andere ein Insekt töteten. Das macht ihn wütend.
Von der Leistung her ist er normal schulfähig nur das Zeitintervall von 5 Stunden am Tag ist zu viel. Sport und Musik kritisch.
Auch wurde ein Schulwechsel empfohlen, da die Situation an seiner bisherigen Schul einfach zu verfahren ist. Alles in einem ist er nicht von Grund auf aggressiv, sondern hat bestimmte Auslöser die dieses Verhalten hervorrufen. Seine Reaktionen seien typisch für sein Gesundheitsbild.

So stehen wir nun also da. Ein bedingt schulfähiges Kind, welches noch keine neue Schule hat bisher und mit dem ich nun schauen muss was in Zukunft passiert. Bleiben wir in unserer Heimat oder ziehen wir weg? Nimmt eine der 2 infrage kommenden Schulen ihn oder wollen beide nicht? Wie schnell finden wir eine Fachkraft für ihn, wann kann diese starten und wann kann er daher in der neuen Schule starten? Fragen über Fragen die geklärt werden müssen und dabei haben wir doch Sommerferien. aber wir finden eine Lösung. Bestimmt. Wir werden nicht aufgeben. 

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